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Wandfliesen mit biblischen Motiven aus dem Schlossmuseum Jever



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Kurze Einführung in die Herstellungstechnik

Da im folgenden immer wieder auf herstellungsbedingte Auffälligkeiten bei den Bibelfliesen hingewiesen werden wird, soll an dieser Stelle kurz auf die Herstellungstechnik eingegangen werden. Folgende Arbeitsabläufe gehören dazu:

  1. Das Formen der Fliese aus Ton unter Benutzung eines Formrahmens und eines Rundholzes.

  2. Das Trocknen der Fliese bis sie lederhart geworden ist.

  3. Das Zuschneiden auf 13,5 x 13,5 cm mit Hilfe einer Holzplatte.

  4. Das Durchtrocknen der Fliese.

  5. Der Schrühbrand.

  6. Das Übergießen der Fliese mit weißer Zinnglasur.

  7. Das Aufbringen des Dekors mit Hilfe einer Sponse.

  8. Die Bemalung der Fliese mit Glasur.

  9. Der Glattbrand.

Begriffserklärungen

Backpunkte:
Beim Zuschneiden der lederharten Fliese wird eine Holzplatte verwendet, die in 2 - 4 Ecken je einen Nagel aufweist, der die Schablone zum Schneiden der Fliese im Tonmaterial fixiert. Die "Nagelpunkte" sind beim fertigen Produkt als sog. "Backpunkte", d.h. als Löcher zu sehen. Sie bilden ein gutes Datierungskriterium, da sie nur bis 1862 (in Harlingen) bzw. 1880 nachweisbar sind. Von da ab wird das Zuschneiden mit Maschinen gemacht, bei denen keine genagelten Platten mehr vonnöten sind. Erst heutzutage trifft man bei den neuen Fliesen nach alten Vorbildern aus Harlingen wieder Backpunkte an.
Brennhilfeabdrücke/Stapelfehler:
Um große Mengen von Brenngut im Ofen zu stapeln, ohne daß die glasierten Fliesen aneinanderkleben, benutzt man sog. Stapel- bzw. Brennhilfen, die ebenfalls aus - allerdings unglasiertem - Ton gefertigt sind. Dennoch kann es zu einem Verrutschen der Fliesen kommen, so daß das Brenngut sowohl mit einer Stapelhilfe als auch mit einer anderen Fliese (oder einem anderen zu brennenden Stück) zusammenkleben kann. Nach dem Brand können mit Hilfe einer Zange manchmal die festklebenden Teile bis auf einen kleinen Rest - den sog. Brennhilfeabdruck bzw. den Stapelfehlerrest - entfernt werden. Ist dieses der Fall, kann eine Fliese zumindest noch als zweite Wahl verkauft werden.
Glasurausgasungen:
Bei einem Teil der Fliesen läßt sich eine feine bis grobe, blasige Oberfläche erkennen. Hier ist aufgrund der chemischen Zusammensetzung der Glasur sowie wegen einer zu starken Glattbrandhitze die Glasur kraterförmig aufgeplatzt.
Haarrisse:
Haarrisse entstehen in der Abkühlphase des Glasurbrandes, wenn sich die Glasur stärker zusammenzieht als der darunterliegende Scherben. Es kann allerdings passieren, daß die entstandenen Spannungen in der Glasur sowohl durch die Festigkeit als auch durch die Elastizität der Glasur zeitweilig noch aufgefangen werden und das Brenngut scheinbar unbeschädigt aus dem Ofen genommen wird. Durch thermische Belastung sowie die Aufnahme und Abgabe von Feuchtigkeit durch den porösen Scherben im täglichen Umgang werden diese Spannungen so verstärkt, daß sich im Laufe einer längeren Zeitspanne (innerhalb vieler Jahre) Risse bemerkbar machen.
Sponse:
Darunter versteht man eine Durchstaubschablone, die aus einem Papierstück in der Größe der zu bemalenden Fliese bzw. des Tableaus besteht. Auf ihr ist das Motiv, das oft auf einen Kupferstich o.ä. zurückgeht, gezeichnet. Es wird mit Hilfe einer Nadel durchstochen. Um nun das Muster auf die Fliese zu übertragen, wird mit einem Stoffsäckchen, das mit Kohlepulver gefüllt ist, auf die Sponse geklopft und dabei werden die Umrißlinien auf der Fliese als feine Kohlepuderlinien (der sog. "trek") sichtbar.

Literatur

Hamer, Frank; Hamer, Janet: Lexikon der Keramik und Töpferei. Material - Technik - Geschichte. Augsburg 1990.

Pluis, Jan: Bijbeltegels. Bijbelse voorstellingen op Nederlandse wandtegels van de 17e tot de 20e eeuw. - Bibelfliesen. Biblische Darstellungen auf niederländischen Wandfliesen vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Münster 1994.

Pluis, Jan: De Nederlandse tegel. Decors en benamin- gen. - The Dutch Tile. Designs and Names (1570-1930). Leiden, 2. Auflage 1997.




Diese Präsentation wurde erarbeitet von Dr. Maren Dieke.

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