Als Seitengewehr werden alle an der Seite getragenen Waffen mit Griff und Klinge bezeichnet.
Aufpflanzbare Seitengewehre sind Kombinationswaffen, die als Säbel, Messer oder Dolch mit Griff verwendet oder
auf den Lauf einer Schusswaffe aufgesteckt werden können.
Artillerie- Faschinenmesser, Modell 1860/ 1871, Schlossmuseum Jever
Das Seitengewehr Modell 1860/71 wurde 1861 als Füsilierwaffe hergestellt.
Nach 1871 wurden die Bohrungen zum Aufsetzten auf ein neues Gewehr verkleinert und die Waffen fortan als Faschinenmesser
"M 1871" der Artillerie zu Fuß wieder verwendet.
Die Registrierung als Ersatzwaffe eines Fußartillerieregiments erklärt
den sehr guten Erhaltungszustand dieser Waffe.
Französisches Seitengewehr, Modell 1874, Schlossmuseum Jever
Die Waffe hat eine lange schmale Rückenklinge mit einem T-förmigen Querschnitt, der noch sehr an die Dreikantklingen der
Tüllenbajonette erinnert.
Die Parierstange ist unten in einem Bogen nach vorn gezogen und endet dort in einer Einrollung.
Auf der anderen Seite ist die Parierstange verbreitert und zum Aufsetzen auf den Gewehrlauf mit einer Bohrung versehen.
Auf dem Klingenrücken ist die Inschrift: "M(anufactur) e d'Armes de St Etienne Août 1875" eingraviert.
Deutsches Pionierfaschinenmesser, Modell 1857, Schlossmuseum Jever
Das Seitengewehr hat eine mit 4 cm sehr breite Rückenklinge mit einem Sägerücken.
Auf der linken Fehlschärfe ist die Herstellersignatur "GEBR. WEYERSBERG SOLINGEN", auf dem Klingenrücken das Abnahmezeichen
"FW 57" unter einer Krone eingestempelt.
Die Bohrung für den Gewehrlauf wurde nachträglich auf 17,4 mm verkleinert, um sie an das neue Gewehr "M 71" anzupassen.
Die Parierstange wurde seitlich abgeflacht, um das Visier nicht zu verdecken.
Diese Seitengewehre wurden zu Beginn des 1. Weltkrieges international verboten. Der Sägerücken verursachte
schwere Risswunden.
Faschinenmesser der Artillerie oder der Infanterie, Modell 1787/1810, Schlossmuseum Jever
Dieses Seitengewehr konnte nicht auf einen Gewehrlauf gesteckt werden. Die Waffe wurde an
der Seite geführt und diente nur in Ausnahmefällen dem Kampf gegen Menschen.
Das Faschinenmesser hat eine breite gerade
Klinge ohne Kehlung und ist machetenartig geformt.
Faschinenmesser sind eine Mischung aus Werkzeug und Waffe. Sie haben Eigenschaften von Macheten und sind zum Abschlagen von
Zweigen und Ästen, zum Schanzbau und zum Beseitigen von Hindernissen geeignet.
Von den Pionieren wurden Faschinenmesser beim Bau von militärischen Objekten eingesetzt.
Torsten Pöschk© Schlossmuseum Jever