Französischer Pallasch, Ende 18. Jahrhundert, Schlossmuseum Jever
Das Messinggefäß dieser Waffe war ursprunglich vergoldet.
Auf der Klinge ist beidseitig die Gravur "Sans Peur et Sans Reproche" (ohne Furcht und Tadel) zu lesen.
Auf dem
Klingenrücken findet sich die Gravur "...M...tur et G... Eickhorn a Solinge".
Die hier gezeigte Waffe blieb beim Rückzug der Französischen Armee aus Jever im Jahre 1813
im Hause der Familie Wilken in Ostiem stehen.
1887 gelangte der Pallasch als Schenkung an den Heimatverein und später ins Schlossmuseum Jever.
Wie die Inschriften zeigen ist die Klinge der Waffe von einem Solinger Waffenschmied für den
französischen Markt hergestellt worden.
Die französische Armee ließ ihre Waffen ab etwa 1730 nicht mehr in Solingen produzieren.
Unter Anwerbung Solinger Schmiede und Schleifer, auch aus der Familie Eickorn, baute Frankreich im elsässischen Klingenthal
eine eigene Industrie auf.
Die relativ breite Klinge der Waffe mit der schmalen Blutrinne direkt unter dem Klingenrücken ist
typisch für das 18. Jh.
Die spezielle Griff- und Gefäßform erscheint in Europa aber erst am Ende des 18. Jahrhunderts. In Frankreich findet sie
sich am sogenannten Revolutionssäbel und an vielen Kürassierdegen.
In der Zeit der Französischen Revolution und in den Napoleonischen Kriegen war der Bedarf an Waffen
enorm gestiegen. Dennoch griff Frankreich nicht mehr offiziell auf die Ressourcen im besetzten Solingen zurück.
Stattdessen wurden alte Klingen aus den Zeughäusern umgearbeitet und mit neuen Griffen versehen.
Französischer Pallasch, Ende 18. Jahrhundert, Schlossmuseum Jever
Torsten Pöschk© Schlossmuseum Jever