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Korsetts und Nylonstrümpfe

Der Katalog

Uwe Meiners (Hg.): Korsetts und Nylonstrümpfe. Frauenunterwäsche als Spiegel von Mode und Gesellschaft zwischen 1890 und 1960 Begleitband zur Ausstellung im Schlossmuseum Jever vom 01.07.1994 - 15.01.1995. Oldenburg: Isensee, 1994. (Kataloge und Schriften des Schlossmuseums Jever; H. 10)

Frauenunterwäsche als Spiegel von Mode und Gesellschaft zwischen 1890 und 1960 - so lautet der Untertitel zu dieser Ausstellung, in der die schönsten Stücke aus der Sammlung des Textilrestaurators Detlef Lehmann (Esens) gezeigt werden. Mit den "Korsetts und Nylonstrümpfen" sind nicht nur typische Kleidungsstücke des Darstellungszeitraums genannt, sie markieren auch Eckpunkte in einer Entwicklung, in der Idealbilder von Frauen und Frauenkörpern immer auch über die modellierende Funktion von Leibwäsche produziert wurden.

1890 bis 1910
'Schuler's Patent-Corsett'
"Schuler's Patent-Corsett" mit Originalkarton, um 1900

So gehört es zu der Widersprüchlichkeit und Doppelbödigkeit des kaiserlichen Deutschland und der vorherrschenden viktorianisch-prüden Sexualmoral, dass die Frauenkleidung das Weibliche gleichzeitig verbergen und herausstellen sollte. Alles, was sich darunter befand, die Unterwäsche und auch der Körper, war von affektiven, moralischen Werten geprägt und dementsprechend in eine Zone des Schweigens verbannt.

Hinter der Fassade bürgerlicher Wohlanständigkeit entfaltete sich jedoch als paradoxes Ergebnis einer sexualfeindlichen Zeit eine Erotisierung weiter Lebensbereiche, die auch vor den weiblichen Dessous nicht halt machte. In einer streng patriarchalisch strukturierten Gesellschaft entwickelte sich so die einfache "Leibwäsche" zu einer mit Spitzen, Schleifchen und Bändern verzierten "Reizwäsche", in und mittels der die Frau ihre Rolle als geheimnisvolles, immer aber erotisches Objekt wahrzunehmen hatte.

1920 bis 1940
Garnitur aus lindgrüner Kunstseide mit Streublumenmuster
Garnitur aus lindgrüner Kunstseide mit Streublumenmuster, um 1930/40.

In den 20er Jahren hatte sich die Erscheinung der Frau sichtbar verändert. Die geschnürte Silhouette war einer legeren, elegant-sportlichen Linie gewichen, und eine vielschichtige, stoffreiche Unterbekleidung wurde von modernen Dessous abgelöst. Das röhrenförmige, taillenlose Kleid und die den Körper lose umspielende, fein gearbeitete Hemdhose sind prägnante Dokumente auch einer neuen Sinnlichkeit.

Mit einer wieder zunehmenden Figurbetonung gegen Ende des Jahrzehnts kehrte das fast völlig verdrängte Korsett in Form der neuen Mieder zurück. Wie die Oberbekleidung waren jetzt auch die Dessous auf einen hautengen Sitz ausgerichtet und dem Ideal einer makellosen, "edlen Plastik" des Körpers verpflichtet.

1947 bis 1960
Gegen Ende der 40er Jahre wurde dann unter dem modischen Zwang der Pariser Haute Couture, die den Frauen Wespentaillen und wohlgeformte Oberweiten verordnete, die Modellierung des weiblichen Körpers noch weiter vorangetrieben. Die Betonung femininer Merkmale war zugleich Ausdruck einer ethisch-moralischen Grundeinstellung in Westdeutschland, nach der die wünschenswerte Rolle der Frau auf ihre "angestammte" Funktion als attraktive Ehegattin, Hausfrau und Mutter reduziert wurde.

Korselett aus Perlon
Korselett aus Perlon (Triumph), um 1955/60.

Wegbegleiter waren in den 50er Jahren komplizierte Hüfthalter, Halb- und Vollmieder, denen der Ruf vorausging, nicht nur der Linie, sondern auch der Gesundheit zu dienen. Die Miederwarenindustrie erreichte mit ihren Angeboten sogar die Bedürfnisse von Teenagern: Perlonkorsagen und Petticoats gehörten ebenso zu deren "outfit" wie von Strapsen gehaltene Nylonstrümpfe, die erst mit dem Aufkommen der Strumpfhose Mitte der 60er Jahre allmählich aus der Mode kamen.

Ausstellungskatalog 'Korsetts und Nylonstrümpfe' (15 KB)

Ausstellungskatalog
(15 KB)

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