Landkarten und Pläne aus der Bibliothek des Schlossmuseums
![Ausschnitt aus: Johann Dieter Konigshaven [Königshaven] (gest. 1728), Dynastiae Ieveranae [...] Exactissima Delineatio, ca. 1:80.000, kolorierte Handzeichnung, 53x61 cm, um 1725](bilder/12085_2.jpg)
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Ausschnitt aus: Johann Dieter Konigshaven [Königshaven] (gest. 1728), Dynastiae Ieveranae [...] Exactissima Delineatio, ca. 1:80.000, kolorierte Handzeichnung, 53x61 cm, um 1725. Inv.-Nr. 12085 (Ka 92) |
Der heutige Bestand der Schlossbibliothek an Landkarten und Plänen umfasst viele ansehnliche Objekte besonders zur näheren Umgebung Jevers. Gleichwohl kann nicht von einer umfangreichen Spezialsammlung gesprochen werden, zumal im Laufe der Zeit manch wertvolles Stück aus administrativen oder konservatorischen Gründen an das Staatsarchiv in Oldenburg abgegeben werden musste. Die Schlossbibliothek versucht jedenfalls, die Kartographie des Jeverlandes bzw. der gesamten ostfriesischen Halbinsel (zwischen Ems und Weser) von ihren Anfängen im 16. Jahrhundert zumindest an einigen ausgewählten Stücken zu dokumentieren, wobei für die frühe Zeit bisher freilich oft nur Reproduktionen vorliegen.
»» Beispiele: Laurentius Michaelis (gest. 1584), Oldenburg Comit.[atus]; David Fabricius (1564-1617), Oostfrieslandt (Original: Kupferstich, 1613)
Politische und administrative Grenzen des Jeverlandes
Landkarten eignen sich hervorragend, um Kontinuität und Wandel in den politisch-administrativen Strukturen anschaulich zu machen. So schlagen sich die Grenzziehungen und Herrschaftswechsel des Jeverlandes in zahlreichen Karten der Schlossbibliothek nieder.
»» Beispiele: Renke Gerhard Kunstenbach (1745-1807), Special Charte der Russisch Kayserl.[ichen] Erbherrschaft Jever [...]; Georg S.O. Lasius (1752-1833) u. Gerhard Anton von Halem (1752-1819), Carte du Département des Bouches du Weser; Augustinus Fuchs (?-?) u. Anton Friedrich Redhas (?-?), Carte von der Gräntz-Linie zwischen dem Amte Wittmund und Jever-Land
Verschwundene Inseln, gewonnenes Land
Die Küstenlandschaft im ostfriesischen Raum hat sich durch die Jahrhunderte dramatisch verändert. Dem ständigen Angriff des Meeres mit seinen oft katastrophalen Sturmfluten setzte der Mensch immer erfolgreichere Maßnahmen zum Schutz der Küste und zur Rückgewinnung untergegangenen Landes entgegen. Besonders an der jeverländischen Nordküste, wo im Mittelalter ein tiefer Einbruch der Nordsee die weit ins Binnenland einschneidende Harlebucht geschaffen hatte, wurde später Deichlinie für Deichlinie das Meer nach Norden zurückgedrängt. Dieser Prozess läßt sich auf historischen Landkarten hervorragend verfolgen. Sie geben umgekehrt aber auch Aufschluss über einige Inseln, die mittlerweile unwiederbringlich im Meer versunken sind.
»» Beispiele: Johann Dieter Konigshaven [Königshaven] (gest. 1728), Dynastiae Ieveranae [...] Exactissima Delineatio; Ehrenreich Gerhard Coldewey (1702-73), Tabula Frisiae Orientalis (mit Stadtgrundrissen von Emden u. Aurich)
Von den Karten und ihren Arten
In der Zeit vor den präzisen Vermessungstechniken, wie sie Ende des 18. Jahrhunderts in Gebrauch kamen, bleiben Landkarten oft sehr ungenau. Andererseits bieten gerade diese Stücke in ihrem Erscheinungsbild häufig einen hohen ästhetischen Reiz, den wir von heutigen Karten nicht erwarten dürfen. Grundsätzlich kann man zwischen handgezeichneten und „gedruckten“ Karten unterscheiden, wobei die Art des „Druckens“ sehr vielfältig sein kann (Holzschnitt, Kupferstich, Vierfarbdruck, uvm.); werden historische Karten mit modernen Verfahren vervielfältigt, spricht man von Reproduktion. Lange vor der Entwicklung des Farbdruckes versahen Kartenmacher ihre gedruckten Karten schon per Hand mit Farben.
»» Beispiele: Christian Marl (?), Delineatio der Hochgraefl.[ichen] Aldenburgische[n] Vorwerks Landereyen zu Garmes [...]; Johannes Janssonius (1588-1664), Oldenburg Comitatus
Jever – vermessene Stadt
Topographische Aufnahmen der Stadt Jever blieben lange Zeit seltene Einzelstücke, die nur zu besonderen Anlässen hergestellt wurden. Beginnend mit dem Jahre 1741 verfügt die Schlossbibliothek für das 18. und 19. Jahrhundert nur über eine kleine Zahl an Stadtgrundrissen bzw. -plänen; dichter wird die Überlieferung Ende des 19. Jahrhunderts, als die Kartenproduktion amtlicherseits und auf dem freien Markt stark zunahm. Erst im 20. Jahrhundert werden Stadtpläne und Umlandkarten zur ständig aktualisierten Massenware, die dennoch sorgfältig dokumentiert werden muss.
»» Beispiele: N.N., Grundriß der Vestung und der Stadt Jever; E. C. Dunker (?-?), Charte der Gegend um Iever
Dr. Ralf Fritze© Schlossmuseum Jever
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