Landkarten und Pläne aus der Bibliothek des Schlossmuseums
Politische und administrative Grenzen des Jeverlandes
Beispiel I
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1793, nach dem Tode des letzten erbberechtigten Fürsten von Anhalt-Zerbst, kommt das Jeverland unter russische Herrschaft. Diesen Zustand zeigt die akribische Handzeichnung, die durch Flächenfärbung die Verwaltungsgliederung innerhalb des Territoriums deutlich macht. An den Außengrenzen wird besonders auf die berühmte "Goldene Linie" von 1666 (als Grenzvereinbarung zwischen dem Jeverland und Ostfriesland an der Nordküste) sowie auf die 1727 geregelte Grenzziehung im Bereich des westlichen Jadebusens hingewiesen.
Doch weit über den politischen Inhalt hinaus gibt die Karte noch viele andere Auskünfte, so z.B. über die Wassertiefen der Jade oder über das wichtige kartographische Grunddatum des Nullmeridians. Dieser Anfangspunkt der Längengradzählung war seinerzeit noch nicht allgemein auf Greenwich festgelegt, sondern wurde, wie in der Kartenlegende ausdrücklich vermerkt, häufig auf die „Insel del Ferro“ (Hierro, westlichste Insel der Kanaren) bezogen. Als Linien sind aber auch die Meridiane des "Jeverischen Schloss Thurmes" und des "Oldenburgischen Observatorii" (Observatoriums) eingezeichnet.
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Beispiel II
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| Georg S.O. Lasius (1752-1833) u. Gerhard Anton von Halem (1752-1819), Carte du Département des Bouches du Weser, 1:200.000, kolorierter Druck, 80,5x77 cm, 1812. Inv.-Nr.12227 (Ka 209) |
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"Département Wesermündung": Von 1811 bis zur Niederlage Napoléons 1813/14 waren die Kanal- und Nordseeküste sowie ein kleines Stück der deutschen Ostseeküste nebst umfangreichem Hinterland von Frankreich annektiert. Innerhalb kürzester Zeit erfolgte eine sehr genaue kartographische Aufnahme der eingegliederten Gebiete. Die Modernität der Karte kommt in der Angabe eines numerischer Maßstabes (1:200.000) zum Ausdruck; statt auf diese uns heute selbstverständlich erscheinenden Weise brachten die meisten Karten damals Maßstäbe nur in grafischer Form zur Anschauung.
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Beispiel III
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| Augustinus Fuchs (?-?) u. Anton Friedrich Redhas (?-?), Carte von der Gräntz-Linie zwischen dem Amte Wittmund und Jever-Land, ca. 1:8.000, kolorierte Handzeichnung, 174x51 cm, 1745/46. Inv.-Nr. 12225 (Ka 226) |
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Viele Karten verdanken ihre Entstehung der genauen Bestimmung eines Grenzverlaufs und werden daher als "Grenzkarten" bezeichnet. Ein besonders anschauliches Beispiel ist die fast zwei Meter breite "Carte von der Gräntz-Linie zwischen dem Amte Wittmund und Jever-Land", die 1745 vermessen wurde; eine entsprechende Vorlage führte dann im darauffolgenden Jahr zu der vorliegenden (natürlich handgefertigten) Kopie. Um hohe Genauigkeit zu erzielen, ist die Karte sehr großmaßstäbig angelegt und verzeichnet dementsprechend auch kleine Details, sofern sie für die Grenzbestimmung für wichtig gehalten werden.
Die lange Nord-Süd-Grenzlinie erscheint hier im Querformat, so dass die Karte annähernd gewestet ist (Westen oben, Norden rechts). Das ungewöhnliche Großformat erforderte die Verwendung mehrerer Papierbahnen. Möglicherweise fehlen am rechten Rand, wo die Karte abweichend von den drei anderen Seiten nicht durch einen Rahmen begrenzt ist, ein oder mehrere Papierbahnen.
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