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3. September bis 31. Dezember 2000 Das Fräulein und die Renaissance. Maria von Jever (1500-1575)Herrschaft und Kultur in einer friesischen Residenz des 16. Jahrhunderts
Der KatalogDas Fräulein und die Renaissance. Maria von Jever 1500 - 1575. Herrschaft und Kultur in einer friesischen Residenz des 16. Jahrhunderts. Katalog zur Sonderausstellung im Schlossmuseum Jever vom 03. 10. bis 31. 12. 2000. Hg. von Antje Sander. Oldenburg: Isensee 2000(Kataloge und Schriften des Schlossmuseums Jever; H. 23) "Es gibt viele Leute, die von Stadt und Land Jever noch nicht gehört haben, aber den Jeverländern wird das gleich sein ... Wenn man fragt, wer das Schloss erbaut, wer die Münzen, die im Museum gezeigt werden, geschlagen hat, wer die Gelehrtenschule gegründet, wer die Kunstdenkmäler, deren sich Jever rühmen darf, geschaffen hat, hört immer wieder den Namen der letzten Fürstin Maria. Die Erinnerungen Jevers scheint es, knüpfen sich vorwiegend an diese Frau und was an Anekdoten, Sagen, Merkwürdigkeiten erzählt wird, weist fast immer auf sie".
Dieser Artikel in der Hannoverschen Zeitung aus dem Jahr 1943 (2. April, Nr. 79, S. 3) ist ein gutes Beispiel für den Blick von Aussen auf das Jeverland: Fräulein Maria ist zur Identifikationsfigur von Land und Stadt geworden. Und in keinem Jahr wird dies deutlicher als in einem Jubiläumsjahr. Das Schlossmuseum Jever hat zum 500. Geburtstag eine Ausstellung realisiert, die einen neuen Blick auf die Lebenswelt der friesischen Regentin ermöglichen soll. Dieser Begleitband kann helfen, Themenbereiche zu vertiefen, die museal nur schwer umzusetzen sind. Es handelt sich hierbei also nicht um einen Ausstellungskatalog im "klassischen" Sinne, sondern um ein zusätzliches Informationsangebot, welches interessante Problemstellungen, die in der Ausstellung nur angerissen werden können, weiterführt. Diese Vorgehensweise erscheint besonders vor dem Hintergrund der Frage nach der Rolle von Personen und Persönlichkeit in der Geschichte lohnenswert. Eine landesgeschichtliche Einführung stellt die Situation des Jeverlandes im 16. Jahrhundert im politisch-dynastischen Spannungsfeld zwischen Oldenburg und Ostfriesland dar (Prof. Dr. Heinrich Schmidt). Der zweite Abschnitt ist der Persönlichkeit des Fräuleins gewidmet. Neben einem Lebensbild Marias (Dr. Wolfgang Petri) wird hier auf die Rolle von Frauen in der Funktion als Regentin Bezug genommen (Dr. Anke Hufschmidt). Ein wichtiger Bereich, der auch in der Ausstellung aufgegriffen wird, ist die Rezeptionsgeschichte, deren Aufarbeitung die Entwicklung des Bildes Marias im ]everland des 19. und 20. Jahrhunderts aufzeigt und ein interessantes Beispiel der Identitätsstiftung durch Geschichtsbilder bietet (Dr. Joachim Tautz). Welcher Stellenwert der kleinen Residenz Jever im 16. Jahrhundert zukam, kann erst durch eine vergleichende Untersuchung zum Problemkreis Herrschaft und Repräsentation geklärt werden (Dr. Sven Luken). In diesem Zusammenhang ist auch die Frage nach der Funktionsweise des Hofes, den Formen von Herrschaft und Alltag wichtig, um einen Vergleich mit anderen Residenzen zu ermöglichen (Dr. Antje Sander). Wie kaum ein anderes Kunstwerk spiegelt die Kassettendecke im Schloss zu Jever den Willen, durch Repräsentation der Legitimität der eigenständigen jeverschen Herrschaft Ausdruck zu verleihen (Peter Schmerenbeck). Die Festigung der Herrschaft in der Mitte des 16. Jahrhunderts, welche in repräsentativen Bauten in Stadt und Land sowie in einer funktionierenden Verwaltung ihren Ausdruck findet, wäre ohne eine Reform im Bildungswesen nicht möglich gewesen. Ein "Produkt" dieser Bildungsbemühungen ist der jeversche Gelehrte Edo Hildericus (Enno Schönbohm). Von tiefgreifendem Einfluss war hierbei sicherlich das Wirken des humanistisch gebildeten Kanzlers und Rentmeisters Remmer von Seediek. Gerade für den Verlauf der Reformation im Jeverland, die hier andere Wege als im Ostfriesischen ging (Dr. Susanne Woelk), ist seine Rolle nicht zu unterschätzen. Dies unterstreicht auch die jeversche Reformationsgeschichte Hermann Hamelmanns, die in diesem Band erstmals in einer textkritischen Edition vorliegt (Prof. Dr. Rolf Schäfer). Remmer kommt vor allen Dingen als juristischem Berater und Geschichtsschreiber eine führende Stellung am Hofe Marias zu. Seine Bibliothek, die diesen Interessenshorizont widerspiegelt und für die Ausstellung erstmals in einer bibliothekarischen Ansprüchen genügenden Form vollständig erfasst worden ist, gehört zu den grossen Schätzen, die in der Ausstellung präsentiert werden (Sibylle Heinen und Dr. Egbert Koolman). Es ist daher legitim, ihr breiten Raum zu gewähren... (Auszug aus dem Vorwort von Dr. Antje Sander) |
![]() Ausstellungskatalog (21 KB) ~~~~~~~~ Der Katalog zur AusstellungAuszug aus dem Vorwort
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