Porträt des Fürsten Carl Edzard und seiner GemahlinEin "Augenbetrüger" aus dem 18. Jhd.
Quodlibet mit den Porträts von Carl Edzard, Fürst von Ostfriesland (1716-1744) und seiner Gemahlin Sophie Wilhelmine geb. Prinzessin von Brandenburg-Die Briefkuverts tragen folgende Aufschriften: (links) A Son Attesse Serenissime Madame la Princesse Regnante d'Ostfrise a Aurich. (rechts) A Son Attesse Serenissime Mon seigneùr le Prince Charles Edzard Prince Regnant d'Ostfrise Souverain d'Esens, Stedesdorf & Wittmund a Aurich. Zu den weniger auffälligen Gemälden in der Ahnengalerie des Jeverschen Schlosses gehört ein ganz besonderes Bild. Grund genug, es einmal aus seiner Nichtbeachtung hervorzuheben und es als "Objekt des Monats" einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen. Bei dem Bild handelt es sich um ein Quodlibet, auch trompe l'oeil oder Augenbetrüger genannt. Bei dieser Art der Malerei werden die Motive, meist allgemein bekannte Alltagsgegenstände, so zueinander geordnet und in einen Zusammenhang gestellt, daß der Betrachter die Einzelheiten des Gemäldes nicht in ihrer Bildhaftigkeit, sondern als Realität wahrnimmt. So auch in diesem Quodlibet. An einer Holzwand ist mit Siegellack das Porträt Carl Edzards von Ostfriesland (1716-1744) und seiner Frau Sophie Wilhelmine (1714-1749) befestigt. Darunter, hinter ein rotes aufgenageltes Briefband geklemmt, zwei Kuverts mit Namen und Titeln der Fürsten. Der Kupferstich des jungen Fürstenpaares ist typisch für die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Figuren sind einzeln in einem Oval aus floralen Mustern abgebildet, die beiden Ovale werden von einer Krone verbunden. Als eine Art Basis des Porträts ist eine schmale, horizontale Stadtansicht zu sehen. Es handelt sich zweifellos um eine Ansicht der Stadt Aurich, Sitz des ostfriesischen Fürstenhofes, auch wenn der Maler (oder schon der Kupferstecher) hier manche Einzelheit (Residenz, Stadtsilhouette) in künstlerisch freier Manier skizzierte. Der Kupferstich ist signiert: 1742 fecit FW Körner. Da Quodlibets häufig namentlich kenntlich gemacht wurden, ist anzunehmen, daß es sich um die Signatur des Malers handelt. Quodlibets stellen einen wesentlichen Bestandteil in der Entwicklung der Stillebenmalerei in Europa dar, die sich besonders in Holland und Flandern im späten 17. und 18. Jahrhundert herausbildete. "Augentäuschungen" gibt es allerdings bereits seit dem 14. Jahrhundert bei der Innenausstattung von Räumen. Wände wurden mit Säulengängen, offenen Türen und dahinter liegenden Parks u.ä. versehen, um Räume größer und prachtvoller scheinen zu lassen. Unser Objekt des Monats steht jedoch eindeutig in der Tradition der holländischen Stillebenmalerei.
Obwohl Stilleben in Europa bereits seit dem Mittelalter angefertigt wurden, kam ihnen bis ins 18. Jahrhundert hinein nicht die Bedeutung einer eigenständigen Gattung in der Malerei zu. Stillelbenmaler galten als "gemeine Soldaten im Heer der Künstler"(1). Den großen Meistern der Historienmalerei waren Stilleben lediglich Fingerübungen zur Komposition der Motive und Farben. Letzteren erschien die Aussagefähigkeit von Stilleben, ebenso wie die Motivauswahl, zu eng begrenzt. Sowohl Blumen- und Bankettbilder als auch Interieur- und Vanitasgemälde beschränkten sich auf christlich-
Die Maler suchten nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Neuartig an der Stillebenmalerei des 17. Jahrhunderts ist die "Verfeinerung der Erlebnisweise". Der Schwerpunkt der Bildaussage verlagert sich vom symbolischen Inhalt zum Ausdruck der individuellen Sehweise. Die Maler experimentierten mit Licht und Schatten, Lichtreflexen auf unterschiedlichen Oberflächen und aus verschiedenen Perspektiven. Die Wiedergabe persönlicher Beobachtungen verdrängte den symbolischen Inhalt. Die Malerei wurde feiner - es gab Maler, die einzelne Lichtreflexe mit Lupe und Haarpinsel setzten -, korrekter und wissenschaftlicher. Die bahnbrechenden Entdeckungen in den optischen Wissenschaften wurden von den Malern begeistert aufgenommen und in Bilder umgesetzt.
Einige Maler beherschten die Feinmalerei so weit, daß sie mit der Wahrnehmung des Betrachters spielen konnten. Sie stellten die Motive so lebensecht dar, daß der Betrachter schon sehr genau schauen mußte, das Dargestellte als Abbildung wahrzunehmen. Diese "Augenbetrüger" haben mit der objektiven Sinn-
Aus dieser Hoch-
Literatur:
© Schloßmuseum Jever |
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