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zurück (16.03.01) Die Gobelins im Schloss zu JeverZu den großen Schätzen des Schlosses zu Jever gehören die Gobelins, die 2001 nach langjähriger Restaurierung wieder zurückgekommen sind. Es handelt sich dabei um vier größere und zwei kleinere Bildteppiche sowie einige Supraporten von unterschiedlicher Größe. Alle Gobelins stammen vermutlich aus einer Werkstatt und sind etwa zeitgleich, 1680-1700, entstanden. Farbgebung, Bildaufbau, Technik und verschiedene Gestaltungselemente legen dies nahe. Ihr heutiger Standort, im großer Saal im nördlichen Flügel, ist erst der Endpunkt eines häufigen Standortwechsels von rund 200 Jahren. Wandteppiche gehören seit dem Mittelalter zu den beliebten Ausstattungsstücken in Burgen und Schlössern. Als Moblila wurde sie häufig von Residenz zu Residenz mitgenommen und je nach Bedarf aufgehängt. Bereits im 16. Jahrhundert werden im Schloß zu Jever Tapisserien erwähnt. Boing von Oldersum vererbte sie 1540 Fräulein Maria. Über die Herkunft und Geschichte der Gobelins, die nun wieder den Saal schmücken, ist nur wenig bekannt. Alte Inventare oder Rechnungen des 17. Jahrhunderts, in denen der Ankauf vermerkt sein könnte, existieren nicht mehr. Die spärlichen Andeutungen in späteren Aufzeichnungen weisen daraufhin, daß die Tapisserien vermutlich nach 1726 unter den Fürsten von Anhalt-Zerbst nach Jever gelangten und dort zunächst den Audienzsaal schmückten. In den nachfolgenden Jahren wechselten die Gobelns innerhalb des Schlosses immer wieder ihren Standort und wurden den jeweiligen Platzverhältnissen angepaßt. Dabei konnten sie zerschnitten, geschlitzt und wieder neu zusammengesetzt werden. Die Gobelins zeigen noch heute an verschiedenen Stellen Spuren dieses groben Umgangs. Nach der Restaurierung bestechen die Gobelins, die Gartenszenen darstellen, vor allen Dingen durch ihre hervorragende Farbqualität. Durch die üppigen Darstellungen der Pflanzen herrschen grüne mit braunen und blauen Tönen vor. Die bunten Kleider der Figuren bringen mit rot, blauen, gelben und weißen Akzentuierungen eine stärkere farbige Betonung des Vordergrundes. In den oberen Bildteilen reißt das Hellblau und Weiß des Himmels die schweren grünen Massen auf. Jeder Teppich variiert das Gartenmotiv. Ein Lautenspieler erfreut drei Frauen mit seinem Spiel während ein Kavalier Wein aus einer Kanne in drei Römer gießt. Vor einem wasserspeienden Brunnen erschreckt ein Mann mit einer Tiermaske drei Frauen. Eine andere Szene zeigt zwei Männer und zwei Frauen, die in einer idealisierten Gartenlandschaft Früchte und Geflügel nach Hause tragen. Und schließlich werden drei Frauen vor einem Brunnen dargestellt. Alle Szenen weisen durch die barocke Gartengestaltung mit strengen Wegeführungen eine große räumliche Tiefe auf. Diese Wirkung wird noch durch die kunstvollen Farbschattierungen der Gewänder, die eine hohe Plastizität erzeugen, gestärkt. Viele kunstvoll arrangierte Details lassen den Betrachter mit den Augen auf Entdeckungsreise gehen. Ursprünglich gab es weitere Zimmeraustattungen mit Gobelins. Belegt ist noch mindestens eine Einrichtung mit sechs Gobelins, die Jagdszenen darstellen. Um 1930 wurden sie vom letzten Großherzog in die Niederlande verkauft. Ihr weiterer Verbleib ist bislang unbekannt.
Die Restaurierung der GobelinsMit den restaurierten Gobelins ist das Schloßmuseum und damit die gesamte Region um einen großen Schatz reicher geworden. Der hohe kunsthistorische Rang derjeverschen Gobelins beruht vor allen Dingen darin, daß mit den szenischen und farblich aufeinander abgestimmten Bildteppichen ein barockes Ensemble der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann, wie es in Niedersachsen nicht noch einmal zu sehen ist. Diese Einmaligkeit rechtfertigt auch das große finanziellen Engagement des Landes Niedersachsen. Unter Federführung des Staatshochbauamtes Wilhelmshaven, in enger Absprache mit dem Institut für Denkmalpflege Hannover, der Denkmalschutzbehörde der Bezirksregierung Weser-Ems und dem Schloßmuseum wurde die aufwendige Restaurierung in der Paramentenwerkstatt der Von Veitheim-Stiftung in Helmstedt durchgeführt. Insgesamt wurden für die Arbeiten sieben Jahre und fast 800.000 DM benötigt.Die Gobelins waren stark verschmutzt und verstaubt, viele Stellen waren durch Mottenfraß zerstört oder durch Insektenbefall in Mitleidenschaft gezogen. Durch die mangelhafte Anbringen , das gesamte Gewicht hing an einer Nagelreihe, waren die Kettfäden z.T. gerissen. Nachdem den Teppiche in Berlin in großen Spezialwannen gewaschen wurden, konnte in der Paramentenwerkstatt mit der aufwendigen Restaurierung begonnen werden. Risse wurden geschlossen, Fehlstellen mit farbig abgestimmten Stoffen unterlegt. Nach Fertigstellung wurden die Gobelins in Jever vor Ort auf mit Leinwand bespannte Rahmen genäht. Die aufwendige Beleuchtung, die Rücksicht auf die lichtempfindlichen Gobelins nimmt, wurde durch eine großzügige Spende der Jacobus Eden-Stiftung ermöglicht.
Die Technik der GobelinherstellungDiejeverschen Gobelins sind vermutlich zwischen 1680-1700 in einer der berühmten Brüsseler Manufakturen entstanden. Hier wurden die fürstlichen Höfe in ganz Europa beliefert. Die Auftraggeber ließen zunächst von einem Maler Entwurfsskizzen anfertigen. Diese wurden dann auf einen originalgroßen Karton übertragen. Dieser Karton diente den Teppichwirkens als direkte Vorlage. Mit Hilfe einer Kopie , die auf der Rückseite der aufgespannten Kettfäden befestigt wurde, kopierte man mit Kreide oder Tusche die Vorgaben auf die Kettfäden. In das Kettsystem wurden nun gemäß der Vorgaben rechtwinklig Schuß-und Musterfäden eingezogen. Der Schußfaden verläuft abwechselnd über und unter den einzelnen Kettfäden, kehrt am Ende seiner Musterbreite um und deckt auf dem Rückweg alle nun obenliegenden Kettfäden, während er die unteren hebt. Entstehende Spalten und Kettschlitze wurden abschließend geschlossen.Bis weit in das 19. Jahrhundert wurden ausschließlich mit rein pflanzlichen, mineralischen oder organischen Grundstoffen gefärbt. |
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