Wächtersbacher Keramik
im Schlossmuseum Jever

Das Teeservice "Haarlem"
Die abgebildeten Teeserviceteile sind in der Wächtersbacher Steingutfabrik entstanden. Das Geschirr trägt die Sortimentsbezeichnung "Haarlem" und ist im Dekor 2873 ausgeführt. Die Form "Haarlem" wurde 1932 als Teeservice von der Designerin Ursula Fesca für die Wächtersbacher Steingutfabrik entworfen und seitdem im Fachhandel angeboten.
Die Formserie "Haarlem" wurde bei ihrer Einführung neben uni-weiß oder farbig glasiert auch in neun aufwendigeren Trenddekorationen hergestellt: mit mattgrüner Kunstglasur glasiert (Dekor 4003), mit mattbrauner Kunstglasur glasiert (Dekore 4005 und 4019), überzogen mit rotem Fond und schwarzer Staffage (Dekor 3637), dekoriert mit modernen Fonddekoren (Dekore 3667 und 3669), lichtgelb glasiert mit schwarzer Staffage (Dekor 3700) oder roter Staffage (Dekor 3740) und schließlich mit Fond und weißen Rändern versehen (Dekor 73a/1).
Das Dekor 2873 verleitet mit seinen weißen Punkten auf rotem Grund zunächst dazu, es in die 1950er Jahre des 20. Jahrhunderts zu datieren. Tatsächlich kann das Dekor in dieser Ausführung bereits 1927 im Hauptkatalog der Wächtersbacher Keramik auf einem Krug (Art.-Nr. 6988) nachgewiesen werden. Als das Teegeschirr "Haarlem" 1932 auf den Markt kam, zählte Dekor 2873 nicht zu den Einstiegsdekoren, sondern wurde erst seit 1934/35 auf "Haarlem" angeboten. Die Entwerferin Ursula Fesca hatte es demnach als zeitgemäße Gestaltung für ihre Formen wiederentdeckt.
Seitdem besaß das Dekor über Jahrzehnte hinweg in verschiedensten Ausführungen eine sehr große Beliebtheit: nach dem 2. Weltkrieg war es als Dekor 2873 weiterhin sehr stark im Sortiment vertreten, wenngleich nicht auf Form "Haarlem", sondern auf Geschirrserien wie "Helga", "Irmgard" und "Inge". In den 1970er Jahren erlebte es unter der Bezeichnung "Polka" als langjähriger Bestseller eine zweite Renaissance und wurde schließlich Anfang der 1990er Jahre ein weiteres Mal als "Dots & Co" angeboten.
Die Dekoration des Teeservices basiert auf einer Reservagetechnik. Dabei wurden auf das transparent glasierte und gebrannte Geschirr zunächst die Punkte mit einem Trennmittel aufgetragen, der rote Fond mit Schmelzfarbe aufgespritzt und abschließend die Punkte, auf denen der Fond nicht haften konnte, wieder freigelegt. Den Fond fixierte man auf den Gefäßen in einem weiteren Brand.
