Schlossmuseum Jever



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Porzellanherstellung

Wallendorf

Form

Dekor

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Wallendorfer Porzellan
im Schlossmuseum Jever


Form

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatte sich bei den Geschirrformen auf der Grundlage ostasiatischer Vorbilder von Meißen aus ein eigener "europäischer" Stil entwickelt, der sich am Zeitgeschmack des Rokoko orientierte. Da sich zum Zeitpunkt der "Nacherfindung" des Porzellans in Thüringen (ca. 1760) noch kein eigenes Formenrepertoire gebildet haben konnte, wurden dort in der Anfangszeit meist die bekannten Geschirrformen entlehnt.

Während sich dann bei den etablierten Manufakturen wie Meißen, Wien, Höchst, Berlin oder Fürstenberg bereits eine klassizistische Stilrichtung durchsetzte, verhaftete man in Thüringen zum Ende des 18. Jahrhunderts noch im Formenkanon des Rokoko. Thüringer und damit Wallendorfer Service und Figuren zeichneten sich durch eine gewisse Bodenständigkeit aus, die sich an den Bedürfnissen, der Zahlkraft und dem Geschmack der bürgerlichen und auch bäuerlichen Käufer orientierte.

Die sehr beliebte volkstümliche "Blauware" mit Strohblumendekor und auch die Purpurmalereien, wie wir sie im Schloss Jever vorfinden, blieben mit den vorklassizistischen Formen und gerippten Oberflächen bis Mitte des 19. Jahrhunderts im Sortiment der Wallendorfer Fabrik. In Friesland und Ostfriesland, das vor allem im 19. Jahrhundert eine eigene Teekultur entwickelte, überdauerten die in Thüringen etablierten Formen als typische Teeservice bis heute.

Als Vorbild für die halbkugelige Schalenform der Teetasse dienten die henkellosen "Koppchen" aus China mit deutlich abgesetztem Standring, die im 17. und 18. Jahrhundert nach Europa importiert wurden. Diese Form wurde von Meißen übernommen und für den europäischen Markt durch einen Henkel ergänzt. Bis um 1730 hat man Koppchen und Tassen noch unterschiedslos für alle Heißgetränke wie Schokolade, Kaffee und Tee verwendet. Während man für Teetassen später die halbkugelige Schalenform beibehielt oder sogar noch abflachte, wurde für den Kaffee eine höhere Becherform entwickelt.

Die Untertasse ist eine europäische Erfindung. In ihrer oft tief gemuldeten Schalenform diente sie nicht nur als Untersatz für die Tasse, sondern ebenfalls als Trinkgefäß, besonders wenn das Getränk noch zu heiß war.

Auch bei den Teekannen wurde an der aus China importierten Form festgehalten. Aus der Form einer "gedrückten Birne" entwickelte sich im Rokoko die Kugelform, die bis heute maßgeblich ist. Gedrungene Formen eignen sich am besten zur gleichmäßigen Entfaltung des Teearomas.

Die Kaffeekanne hat dagegen traditionsgemäß eine hohe, schlanke Form. Die Birnenform aus der Anfangszeit der Manufakturen hat sich lange gehalten, ist in der Zeit des Rokoko lediglich etwas schlanker geworden. Diese typischen Kaffee- und Teekannen sind meist mit einem Rocaille-Henkel ausgestattet. Nur vereinzelt kommen glatte Ohrenhenkel vor. Während sich im Klassizismus bei den fürstlichen Porzellanfabriken die zylindrische Form mit gerader Wandung durchsetzte, wurde die kugelige bzw. birnenförmige Kanne in Wallendorf lange beibehalten.


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