Wallendorfer Porzellan
im Schlossmuseum Jever

Dekor / Reliefdekore
Einen rein weißen, glatten Scherben zu produzieren und Flugascheflecken sowie Verformungen der Gefäße im Feuer zu vermeiden, stellte zu Beginn der Porzellanherstellung in Europa ein besonderes Problem dar. Möglicherweise wurden Gefäße und Tellerfahnen mit einem Reliefdekor überzogen, um auftretende Fehler zu kaschieren. In Jever besitzen sämtliche Wallendorfer Geschirrteile neben dem Malereidekor auch ein Reliefdekor. Bei den beliebten Gebrauchsgeschirren setzte sich bald eine gerippte Oberfläche durch, die auf dem Meißener Modell "gebrochener Stab" basiert. Die vertikalen Rippen sind in waagerechten Abschnitten seitlich versetzt. Das Stabrelief wurde von fast allen Porzellanmanufakturen übernommen.
Für Trinkgeschirre mit Strohblumenmuster und mit dem Dekor "Ostfriesische Rose" bzw. "Rot Dresmer" ist die gerippte Oberfläche obligatorisch, wobei die Teetassen meistens innen reliefiert waren. Es erscheinen aber auch andere Dekore auf dem Stabrelief. Im Schlossmuseum in Jever sind Landschaftsdarstellungen in Purpur und eine Monogrammmalerei zusammen mit gerippter Oberfläche erhalten.
Seltener als das Stabrelief ist das Flechtwerkmuster, das in Jever auf zwei Tassen erscheint. Ein wie gewebt erscheinendes Band umzieht außen den Rand der Tasse bzw. den Rand des Spiegels der dazugehörenden schalenartigen Untertasse. Darunter schließen sich an der Tassenwandung bzw. im Spiegel kurze geschwungene Rippen an, die in Fünfergruppen zusammenstehen. Auch dieses Dekor ist bereits in Meißen entstanden und ist in vielen Variationen bekannt. Das verwandte Brandenstein-Dekor geht beispielsweise auf eine Bestellung des kursächsischen Oberküchenmeisters Friedrich August von Brandenstein zurück, für die das Dekor 1738 erstmals ausgeführt wurde.
