Wallendorfer Porzellan
im Schlossmuseum Jever

Dekor / Strohblume
Zu einem der beliebtesten Dekore entwickelte sich um 1740 von Meißen aus das sogenannte Strohblumenmuster in kobaltblauer Unterglasurmalerei auf weißem, geripptem Grund. Die Blaumalerei war durch die chinesischen Importe bereits sehr beliebt geworden, aber erst um 1750 gelang es auch den Europäern, ein ähnlich strahlendes Blau mit scharfen Konturen herzustellen.
Unterglasurfarben werden noch vor dem Glasieren aufgetragen. Sie gehen beim Brand eine Verbindung mit der Glasur ein und sind wegen ihrer Widerstandsfähigkeit sehr gut für Gebrauchsgeschirr geeignet. Allerdings vertragen nur die wenigsten Dekorfarben die hohen Temperaturen des Schmelzbrands, weshalb Unterglasurmalerei monochrom ist und wenig Virtuosität erlaubt. Einfache Muster wie die Strohblume oder das sogenannte Zwiebelmuster bieten sich für Unterglasurmalerei an. Beide Dekore gehen auf asiatische Vorbilder zurück. Während das Zwiebelmuster fast unmittelbar ein chinesisches Blaudekor mit Granatäpfeln, Pfirsichen, Astern und Blütenzweigen übernimmt, ist das Strohblumendekor aus den sogenannten "indianischen Blumen" und wohl auch aus anderen Dekoren mit Blütenzweigen weiterentwickelt worden.
Von vorbildhafter Wirkung könnten dabei der chinesische Fels-Vogel-Dekor oder der japanische Kakiemondekor sein, die beide das für die Strohblume charakteristische Motiv mit dem Umspringen des Zweiges zeigen. Dieser mit Fiederblättern besetzte Zweig rankt sich um eine stilisierte Blüte, die in zwei sich abwechselnden Variationen existiert. Die Gefäßkörper werden in der Regel durch Linien in vier Felder eingeteilt. Jedes Feld ist mit einer Ranke ausgefüllt und wird nach unten bzw. zur Mitte hin durch ein gestricheltes Zackenband begrenzt.
Auch Thüringer Manufakturen kopierten das Strohblumendekor und tradierten es bis in das 20. Jahrhundert hinein. Im Schlossmuseum Jever erscheint das Muster auch auf Porzellanen aus Rauenstein, Limbach und Tettau. In Wallendorf erhielt das Dekor den Namen "Blau Dresmer", der auf seinen sächsischen Ursprung verweist. Seit 1764 wurde Porzellan mit der Strohblume in Wallendorf produziert. Erst bedingt durch die Weltkriege wurde die Herstellung der Service eingestellt. Seit wenigen Jahren hat die Wallendorfer Porzellanmanufaktur die Produktion wieder aufgenommen und stellt das "Blau Dresmer" mithilfe rekonstruierter Produktionsformen und Dekorvorlagen erneut her. Die ursprünglichen Produktionsunterlagen waren in den Kriegswirren verlorengegangen.
