Wallendorfer Porzellan
im Schlossmuseum Jever

Die Porzellanmanufaktur Wallendorf
Am 30. November 1763 kaufte der Eisenhütteninspektor Johann Wolfgang Hammann das Rittergut Wallendorf mit seinen umfangreichen Waldbeständen, um dort eine Porzellanmanufaktur anzusiedeln. Zusammen mit seinem Sohn, seinem Bruder und den beiden Vettern Greiner erhielt Hammann am 30. März 1764 die dazu notwendige Konzession von Herzog Franz Josias von Sachsen-Coburg.
Wallendorf war ein abgelegenes, ärmliches Dorf mit 500 Einwohnern, die sich als willkommene Fabrik- und Heimarbeiter anboten. Die Fabrik war unterhalb der Kirche in Gutsgebäuden untergebracht. Johann Gotthelf Greiner schied 1772 aus der Manufaktur aus, nachdem sein Vetter bereits 1768 verstorben war, und gründete die Porzellanfabrik Limbach. Wallendorf wurde von der Familie Hammann allein weitergeführt. 1776 übernahm Hammanns Sohn Ferdinand Friedrich die Manufaktur. Als dieser 1786 starb, leitete seine Witwe Anna Margaretha das Unternehmen, bis sie es 1811 ihrem Sohn Ferdinand Friedrich d.J. übertrug. Bis zu dessen Tod 1833 befand sich die Fabrik im Familienbesitz der Hammanns.
Zunächst wurde das Wallendorfer Porzellan aus Rohstoffen der Umgebung gebrannt, so dass der Scherben grau getönt und unsauber war. Erst die Entdeckung einer reineren Porzellanerde in Böhmen in den 1780er Jahren brachte eine merkbare Qualitätssteigerung. Der Schwerpunkt der Produktion lag von Anfang an auf Kaffee-, Tee- und Schokoladenservicen. Daneben wurden für die Bedürfnisse der bürgerlichen und bäuerlichen Kreise, auf die man als Abnehmer angewiesen war, u.a. auch Bierkrüge, Leuchter, Butter- und Tabakdosen, Schreib- und Waschgarnituren sowie Pfeifenköpfe hergestellt. Ab 1770 etwa wurde die Produktion um Figuren bereichert.
Bereits zum Ende des Jahrhunderts waren die bis heute bekannten Trinkgeschirre mit gerippter Wandung bzw. Fahne und Unterglasurmalerei wichtige Umsatzträger. Bedeutende Handelsplätze für Wallendorfer Porzellanwaren waren das nahe Sonneberg, Schmiedefeld, Frankfurt a.M., Regensburg, Nürnberg, Hamburg, Bremen und Lübeck. Im Ausland wurde nach Petersburg, Amsterdam und in die Türkei geliefert. Für den Export in die Türkei wurden die sogenannten Türkenkoppchen als Massenartikel angefertigt - henkellose Kaffeeschälchen, die man in Becher aus Edelmetall stellte.
Nach 1833 wechselte die Fabrik mehrfach ihre Besitzer und war im Zuge des Ersten Weltkriegs zwischen 1915 und 1919 stillgelegt. Anschließend fungierte das Unternehmen als Zweigniederlassung (Kunstabteilung) der Porzellanfabrik Fraureuth, bis Heinz Schaubach 1926 die Wallerdorfer Erzeugnisse als "Schaubach-Kunst" bekannt machte. 1953 wurde die Fabrik Volkseigentum und firmiert seit 1990 in Lichte wieder unter dem Namen Wallendorfer Porzellanmanufaktur.
Die verschiedenen Porzellanmarken, die in blauer Unterglasur auf den Gefäßboden zumeist als "W" aufgebracht wurden, spiegeln die wechselvolle Geschichte der Porzellanmanufaktur wider und helfen bei der Datierung der Geschirrteile. In der Anfangszeit waren die mittleren Schenkel des "W" häufig so weit ausgezogen, dass eine Verwechslung mit den gekreuzten Schwertern aus Meißen provoziert wurde. Erst die Ermahnung des Landesfürsten Ernst Friedrich von Coburg-Saalfeld führte seit 1787 zur Durchsetzung des bis heute gebräuchlichen kleineren Buchstaben.
