Tagebuch in Zeiten von Corona oder: Schreiben während wir von der Zeit geschrieben werden

Renja Popken über die Corona-Zeit als FSJlerin am Schloss zu Jever

Schon seit Jahrhunderten schreiben die Menschen Tagebuch. Sie halten damit die Dinge fest, die ihnen täglich begegnen und schaffen so persönliche Erinnerungen an Gefühle, Gedanken und Erlebnisse. Auf diese Weise werden Spuren in Schriftform hinterlassen, die auch für die Zukunft interessant sind.

Besonders spannend ist es für mich, einen Einblick in die Gedankenwelt einer Person zu erlangen, die schon vor dem Ersten Weltkrieg gelebt hat. Diese Möglichkeit habe ich während meines FSJ Kultur, wenn ich in der Bibliothek Schenkungen und Nachlässe durchstöbern kann.

Zurzeit ist die Bibliothek des Schlossmuseums wegen der Corona Krise geschlossen und statt alte Tagebücher zu lesen, schreibe ich für das Schloss nun selbst eines.

Liebe Gäste ... Schloss Jever geschlossen
Leere Straßen und Plätze in Jever
Dabei halte ich das Geschehen in der Politik fest, Maßnahmen der Regierung, wie zum Beispiel die Diskussion zur Mundschutzpflicht und wie sich diese Regelungen auf die Stadt Jever auswirkt. Ebenso notiere ich mir die Ideen, die das Schloss entwickelt, um trotzdem Geschichte und Kultur erfahrbar und erlebbar zu machen.

Und da ich erst letztes Jahr mein Abitur gemacht habe, schaue ich momentan mit besonders großem Interesse auf die Beschließungen, die die Schulen betreffen und vor allem die Schüler und Schülerinnen, die dieses Jahr ihren Schulabschluss machen wollen und mit Ungewissheit vor den Prüfungen stehen.
Hinzu kommen Gedanken, die den neuen Alltag betreffen, wenn man mit Mundschutz einkaufen geht und um die Regale tänzelt, um den Abstand einzuhalten, der derzeit so wichtig ist.

So bildet sich ein Mosaik aus dem, was in diesen Tagen so ungewohnt ist oder schon zur neuen Normalität geworden ist. Besonders spannend finde ich dabei, dass sonst hauptsächlich die Dinge in den Blick genommen werden, die die Vergangenheit betreffen und schon lange zurück liegen und dass man jetzt stattdessen aufmerksam wird, was aktuell um einen geschieht und Bilder und Geschichten sammelt, die die Gegenwart betreffen. Man hält etwas fest, über das man später einmal in Austausch treten kann.

Leere Straßen und Plätze in Jever
Leere Straßen und Plätze in Jever
Leere Straßen und Plätze in Jever

Dazu fotografiere ich momentan auch viel, wie zum Beispiel die Leere der Straßen, als die Geschäfte schließen mussten und kaum jemand unterwegs war. Wie verlassen liegt Jever auf diesen Bildern vor. Und auch die Stühle, die vor den Cafés und Restaurants unbesetzt bleiben, zeugen davon, wie schwer die Corona Krise das Gastgewerbe trifft.

Unbesetzte Stühle vor Cafés und Restaurants in Jever

In den Fenstern der Geschäfte hingen noch vor kurzem Schilder, auf denen steht, dass sie nicht öffnen können oder Schilder, die aussagen, dass die Gottesdienste gerade nicht stattfinden werden, dass das Rathaus geschlossen ist und dass man sich lieber ein Lächeln schenkt, als sich die Hände zu schütteln. Nun finden sich wieder neue Informationen in den Läden, die bekannt geben, wie viele Menschen das Geschäft betreten können oder dass auch Masken verkauft werden.

Hinzu kommen Bilder, die uns jetzt täglich begegnen, wie die leeren Regale in den Supermärkten, die Schlange vor der Bäckerei, Abstandstandmarkierungen und Toilettenpapiereinkäufe. Selbst die Figur auf dem Marktplatz wurde der Zeit entsprechend maskiert.

Ganz aktuell war erst gestern die DEHOGA-Demonstration auf dem Marktplatz, über der die dunklen Wolken für die bedrückende Lage der Hoteliers und Gastronomen sprechen. Bei dem Protest, bei dem das Ordnungsamt auch ein Auge auf die Einhaltung des Abstands hatte, haben auch zwei Mitarbeiterinnen des Hotels „Schwarzer Adler“ und des Betriebs „Restaurant Jever Fass“ mitgewirkt.

Man kann nur hoffen, dass der in Kreide gezeichnete Gruß auf der Straße bald eintritt und man wieder gefüllte Straßen und lachende Gesichter auf den Wegen sehen kann.

Alles wird gut