Vielen Dank, Basel!

Mit dem viel beachteten Film ↑ Vielen Dank, Jever ↑ hat sich der Filmemacher Basel Mansour vor einiger Zeit bei seiner neuen Heimatstadt Jever für die freundliche Aufnahme bedankt. Als er mit seiner Familie aus Syrien nach Deutschland fliehen musste und schließlich am 10. September 2015, also vor genau fünf Jahren, nach Jever kam, konnten wir alle noch nicht ahnen, was dies für einen großen Gewinn und ein Glück auch für unser Museum bedeutete. Mit Hilfe ihrer sehr engagierten Integrationslotsen konnte die Familie gleich in den ersten Wochen und Monaten in Friesland Kontakte knüpfen und Freundschaften schließen. So haben auch wir Basel und seine Familie kennengelernt: zunächst als freiwillige Helfer in unserer Mühle, dann als Praktikanten im Schloss.
Filmemacher Basel Mansour

Durch das Förderprogramm „Artist in residence“ und weitere Projekte wie „Neue Heimat – Blickwechsel“ oder „Starke Frauen und mutige Mädchen“ im Rahmen des Programmes „Museum macht stark“ konnten wir die Zusammenarbeit intensivieren. Für uns haben sich dadurch neue und erweiterte Zugänge zum Medium Film für unser Museum erschlossen. Begleitend zu unserer Ausstellung über den Orientforscher Ulrich Jasper Seetzen aus dem Jeverland beispielsweise, der die Heimatstadt der Mansours, Damaskus, oder auch Aleppo besucht hatte, begab sich Basel Mansour auf eine Forschungsreise durch das Wangerland von Jever nach Wangerooge und wandelte auf Seetzens Spuren.

Filmemacher Basel Mansour mit Kindern im Schloss
Zu jeder unserer Ausstellungen in den letzten Jahren sind so spannende Beiträge und Filme verfasst worden, die wir im Team, im engen Austausch miteinander und großer Bereicherung für alle Seiten gestalten konnten. Workshops mit Schulklassen und Jugendgruppen hat Basel mit seinen Kenntnissen begleitet und erst möglich gemacht.

Und nun während der Corona-Zeit? Ohne das Knowhow von Basel Mansour hätten wir während der Schließzeit nicht weiterhin so präsent sein können. Mit attraktiven Filmen, die unsere Arbeit dokumentieren oder aus ganz neuen Blickwinkeln Zugänge erschließen, konnten wir auch „hinter Schloss und Riegel“ engen Kontakt zu unseren Gästen halten. Hierfür sagen wir: „Vielen Dank, Basel!“ Wie wunderbar, dass wir zusammenarbeiten können!



Unsere Arbeit im Schlossmuseum:

Ghaydaa Hanssoun

Ich war sehr neugierig, wie jemand hier in Deutschland in einem Schloss arbeiten kann, weil Deutschland damals für mich noch ein fremdes Land war. Auf Einladung der Direktorin des Museums war ich mit meinen Kindern und unseren friesischen Freunden Enno und Harro Freese zusammen bei dem Film dabei, den mein Mann für das Schloss machte.

Als ich durch die gemeinsamen Filmaufnahmen zu den Reisen des Forschers Ulrich Jasper Seetzen die Mitarbeiter des Schlosses kennen gelernt hatte, hatte ich das Gefühl, dass ich in meinem neuen Heimatland angekommen bin und wir eine echte Familie geworden sind. Wir hatten viel Spaß bei unseren Fahrten auf den Spuren Seetzens. Seitdem besuchen wir uns häufig, so wie Freunde und Familie das tun. Mein Mann hat sein Büro im Museum, ich helfe bei Übersetzungen und Filmarbeiten am Set – wir arbeiten in einem Schloss in Deutschland!

Basel Mansour

Obwohl ich Filmregisseur bin – das Filmprojekt für das Schlossmuseum habe ich nicht nur als einen Job gemacht. Es war eine Sache, bei der meine ganze Familie mit dabei sein konnte. Wir sind dazu eingeladen worden, mit dem Film auch unsere Sicht auf unsere neue Heimat zu beschreiben. Meine Kinder haben an dem Film aktiv teilgenommen. – Sie haben Freude dabei gehabt und viele neue Begriffe gelernt, die zum Schloss und zur Geschichte Jevers gehören. Und natürlich haben sie mir immer etwas mit der Sprache geholfen.

Von dem Orientreisenden Ulrich Jasper Seetzen bin ich ganz begeistert, weil er mein Heimatland, das er vor so langer Zeit bereist hat, so schön beschrieben hat, und ich hatte die Motivation sein Heimatland ebenso besonders und mit meinem ganzen Können zu zeigen. Nicht nur die Museumsdirektorin, sondern auch meine neuen Kolleginnen und meine Freunde aus Jever unterstützen mich bei meiner Arbeit als Artist in Residence mit ihrem Wissen und mit viel Verständnis. Zusammen mit meiner Frau und meiner Kollegin haben wir die Texte Seetzens zu seiner Fahrt nach Wangerooge übersetzt. Mit jedem meiner Schritte bei den Filmaufnahmen hatte ich das Gefühl, dass Seetzen mich begleitet und sagt: „Du kannst das noch besser zeigen.“ Deswegen habe ich manchmal Szenen immer und immer wieder wiederholt, bis ich das sichere Gefühl hatte, dass mein historischer Freund damit zufrieden sein würde.

Inzwischen sind weitere Filme dazugekommen. Mit meiner Filmkamera wandere ich durch die Jahrhunderte, wie zum Beispiel bei dem Film über die Einrichtung des Schlosses zu Zeit der Oldenburger Fürsten. Oder ich bekomme die Gelegenheit dem Uhrmacher bei der Reparatur der Schlossuhr im Turm über die Schulter zu sehen. Unser kleines Schlossfilmteam war auch in den Fabrikhallen von Friesland Porzellan mit dabei, um den Produktionsprozess von Porzellan und Steingut aufzuzeichnen, als das Werk geschlossen werden soll.

Natürlich gehört zu meiner Arbeit hier im Schlossmuseum das Büro im Eulenturm mit dem Doppelschreibtisch für meine Kollegin und mich. Man hat mir eine gute technische Ausstattung für die Filmarbeit bereitgestellt und dann habe ich noch die wunderbare Aussicht auf den Schlosspark. Zu meinem ersten Museumsfilm zu Seetzen, der in der Sonderausstellung einen eigenen Raum bekommen hat, hat mir ein 85jähriger Jeveraner gesagt: „Ich bin in Jever geboren. 85 Jahre habe ich hier gelebt, aber durch diesen Film habe ich Jever und sein Schloss mit ganz neuen Augen gesehen. Ich habe Jever noch nie so schön gesehen, wie in Deinem Film, Basel.” Darüber war ich sehr glücklich und natürlich auch sehr stolz – als Filmemacher des Schlossmuseums.