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“Live dabei”: Saatkrähen-Kindheit 2020 im Schlosspark Jever beendet

Die Saatkrähen-Kindheit 2020 im Schlosspark Jever ist beendet: Die beiden Küken flogen am Muttertag aus.

Ob es wieder Saatkrähe „Mathilde“ war, die gemeinsam mit ihrem Partner am gleichen Neststandort wie 2019 im Schlosspark Jever unter der Live-Cam der Arbeitsgruppe „live dabei“ brütete, kann nicht genau nachvollzogen werden. Wie in 2019 zog das Saatkrähenpaar dort zwei Junge auf, die nun am letzten Wochenende ihr Nest verließen, im Vergleich zum Vorjahr vier Tage früher.

Auch in diesem Jahr wurde das Angebot der Arbeitsgruppe „live dabei“, der das Schloss Jever, die Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (WAU) und die Mobile Umweltbildung-MOBILUM angehören, mit großer Resonanz wahrgenommen: „Insgesamt erfolgten 12.000 Klicks auf die Webcam, zusätzlich riefen 1.000 Homepage-Besucher Videos, Fotos und Texte zu „Saatkrähe Mathilde“ auf, unter anderem einen Filmzusammenschnitt der Brutsaison 2019“, berichtet Dr. Antje Sander, Schloss Jever.

Mathilde’s Nest ist leer: Die beiden Küken flogen am Muttertag aus.

Selbst über die Region hinaus bestand Interesse an dem Live-Angebot: So meldete sich beispielsweise ein Vogelfreund aus Bayern, der das Nestgeschehen regelmäßig mit Interesse verfolgte, begeistert über die Möglichkeit, beim Blick in das Nest Unerwartetes über die Tiere und ihr Verhalten zu lernen, so dass ein besseres Verständnis für das Leben der Saatkrähen entsteht. „Genau dieses hatten wir uns erhofft: Dass sich mit dem Perspektivwechsel eine Akzeptanz entwickelt, ” kommentiert die Arbeitsgruppe die bisherigen Rückmeldungen. „Es scheint so, dass wir uns hier in Jever aneinander gewöhnen, – in diesem Frühjahr gingen keine Beschwerden über die Saatkrähen ein“.

Zum Lebenslauf der Küken weiß Renja Popken, die die Kamera in den letzten Wochen im Rahmen ihres Freiwilligen Sozialen Jahres beim Schloss Jever betreute, viel zu berichten:

Nachdem das Paar bis Mitte März beim Nestbau zu beobachten war, beim Bauen des Fundamentes aus Erde in einen Astquirl, dem Aufbau aus Zweigen, der Auspolsterung mit einer weichen, wärmenden Inneneinrichtung aus Moos und Blättern, wurden insgesamt vier Eier gelegt, von denen jedoch zwei zerbrachen.

„Man konnte beobachten, wie fürsorglich das Saatkrähenpaar miteinander umgeht, wenn sich die Partner beispielsweise gegenseitig ihr Gefieder pflegten. Wenn Mathilde zwischenzeitlich das Nest verließ, passte ihr Partner auf die Eier auf“, so Renja Popken.

Nach rund 20 Tage geduldigen Brütens schlüpften am 5. und 6. April die beiden Küken. Fast stündlich wurde der Nachwuchs und Mathilde mit Regenwürmern versorgt, ausschließlich vom Vater, der auch die weißen „Windelpakete“ aufnahm und entsorgte. Obwohl die Hauptnahrung, also Regenwürmer, durch die anhaltende Trockenheit knapp wurde, wuchsen die Küken zunehmend heran, die Schnäbel wurden größer, das Gefieder entwickelte sich und am 18. Lebenstag öffneten sie ihre Augen. Neugierig wurde die Welt um sie herum erkundet, zunächst mit noch ungeschickten Flatter- und Flugübungen der Nestbereich, dann die weitere Umgebung, bis sie am Muttertag schließlich ausflogen.

Derzeit kann man die Saatkrähen-Familien bei Spaziergängen im Umland Jevers bei der Nahrungssuche und ihren Erkundungsflügen beobachten.

Die zweite Live-dabei-Kamera ist bereits über einem Schwalbennest im Torbogen des Schlosses installiert. „Wir hoffen, dass die Schwalben, die derzeit im Innenhof des Schlosses fliegen, dieses bald belegen, so dass auch diese Kamera live – geschaltet und das Brutgeschehen der Rauchschwalben beobachtet werden kann“, freut sich die Arbeitsgruppe gespannt auf Einblicke in die Kinderstube weiterer Bewohner des Schlossparks.

Autorin der Bilder ist Renja Popken.

Bei Rückfragen ist Ansprechpartnerin der Arbeitsgruppe “Live dabei” Petra Walentowitz von MOBILUM-Mobile Umweltbildung, 0151-51440267).