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Keller

Das Kellergeschoss ist einleitend den Themen Kirchengeschichte des Mittelalters und Tod und Sterben gewidmet; Themenkomplexe, die für die friesische Kulturlandschaft von besonderer Bedeutung sind. Hierzu besitzt das Schlossmuseum einen besonders wertvollen Objektbestand.

Kirchengeschichte

Noch heute wird die friesische Landschaft durch die imposanten Kirchen geprägt. Sie stammen zumeist aus dem 12. und 13. Jahrhundert und zeugen mit ihrer Größe und reichen Ausstattung von ihrer einstigen Bedeutung für die Menschen. Sie bildeten über Jahrhunderte hinweg den Mittelpunkt des religiösen, kulturellen und politischen Lebens. Die Annahme des christlichen Glaubens in Friesland erfolgte in einem langen Prozess, der im 8. Jahrhundert mit der Missionierung unter Karl dem Großen begann und erst im 12. Jahrhundert weitgehend abgeschlossen war. Wichtige Zeugen der Christianisierung sind die frühmittelalterlichen Gräberfelder Frieslands. Die Befunde und Bestattungssitten können den unspektakulären Übergang vom heidnischen zum christlichen Glauben vom 5./6. bis ins 11./ 12. Jahrhundert dokumentieren.

Funde aus frühmittelalterlichen Gräberfeldern in Friesland

Die frühmittelalterlichen Gräberfelder in Friesland zeigen ein Nebeneinander von Brandbestattung in Urnen und einfachen Körpergräbern, die zum Teil mit Beigaben versehen waren.
In Schortens konnten über 670 Bestattungen vom 5. bis zum 12. Jahrhundert ausgegraben werden. Sie weisen eine auffällige Mischung von heidnisch-sächsischen und friesischen sowie frühchristlichen Bestattungssitten auf.
Die gefundenen Urnen aus dem 5. bis 9. Jahrhundert belegen in Cleverns ebenfalls das Nebeneinander von Brand- und Körpergräbern.

Holz- und Steinsärge

Der Mensch des Mittelalters begegnete dem Tod mit weit weniger Tabus als wir im 21. Jahrhundert. Die Friedhöfe befanden sich in zentraler Lage um die Kirchen und waren oft Mittelpunkte des alltäglichen Lebens. Die dauernde Konfrontation mit der Unvermeidlichkeit des Todes führte zu einer intensiven Vorsorge für das persönliche Heil im Jenseits. Während für die heidnischen Friesen eine materielle Ausstattung im Grab wichtig war, bereiteten sich die christlichen Friesen durch Fürbitte und mildtätige Stiftungen auf ihren Tod vor. Der Glaube an die Auferstehung erschloss den Menschen ein Leben nach dem Tod, in dem das Seelenheil wichtiger war als irdischer Besitz. Dennoch machte der Tod nicht alle Menschen gleich, wie auch die unterschiedliche Form der Särge aufzeigt.

Holzsärge vom Kirchhügel in Jever

Seit dem 9. Jahrhundert entwickelte sich Jever aufgrund der günstigen Verkehrslage zu einem bedeutenden Handelsplatz. Es lag an der Schnittstelle zwischen Geest und Marsch und besaß einen Zugang zur Nordsee, ein so genanntes Tief.

Im Zentrum der Siedlung, auf einem Geestvorsprung gelegen, befindet sich der sog. „Kirchberg“, der durch eine zusätzliche künstliche Aufschüttung entstanden ist und sich rund 13 Meter über den Meeresspiegel erhebt.

Hier haben Ausgrabungen eine Vielzahl an hölzernen Baum- und Kastensärgen des 9./10. Jahrhunderts hervorgebracht. Sie waren eindeutig älter als die früheste Holzkirche, die wohl im 10./11. Jahrhundert errichtet worden ist.

Die Särge sind schmucklos und zweckmäßig gearbeitet. Es wurden auch einfache Transportfässer als Särge genutzt. Den Toten wurden, christlichem Brauch entsprechend, keine Beigaben ins Grab gegeben. Nur in wenigen Fällen ließen sich archäologische Reste von Heukissen, mit denen der Kopf gestützt wurde, und Reste von Leichentüchern nachweisen.

Steinsarg

Für die christlichen Friesen war eine Bestattung in oder nahe bei den neuerrichteten Kirchen besonders erstrebenswert. Die importieren Sandsteinsarkophage des 11. und 12. Jahrhunderts, wie dieser von der Kirche in Sandel, dienten sicherlich sozial höhergestellten Personen als Grab. Nach Friesland, das keine Natursteinvorkommen besitzt, gelangten sie per Schiff aus dem Rheingebiet. Die Reliefs auf den Sargdeckeln und im Inneren zeigen christliche Zeichen, wie Vortragekreuze, Bischofsstäbe oder Lebensbäume, und symbolisieren die Überwindung des Todes. Am jüngsten Tag sollten die Verstorbenen gleich das Kreuz Christi erblicken, das Symbol der prophezeiten Auferstehung.

Ausstattung in den Kirchen

Der repräsentative Kirchenbau wurde im 11. bis 13. Jahrhundert, dem Zeitalter der friesischen Freiheit, genossenschaftlich organisiert. Religiöse und weltliche Belange wurden in den Kirchen und auf den Kirchhöfen gleichermaßen behandelt. Hier wurden Prozessionen abgehalten, Verhandlungen geführt sowie Verträge geschlossen. Dies gilt für die einfachen Pfarrkirchen ebenso wie für die Zentralkirchen und Klöster der Landesgemeinde wie das Marienstift zu Östringfelde bei Schortens.

Entsprechend dieser Bedeutung wurden die Kirchen im Inneren mit wertvollen Taufen, Altären, Reliquienschreinen, Heiligenfiguren und später auch Orgeln ausgestattet. Hochgestellte Persönlichkeiten ließen sich in aufwendig gestalteten Gräbern in der Kirche begraben. Auch nach der Reformation, mit der im 16. Jahrhundert die lutherische Konfession im Jeverland eingeführt wurde, blieben die Kirchen der Stolz und Mittelpunkt der Gemeinde.

Sakrale Holzplastiken des Mittelalters

Die Zahl der Altäre nahm im Spätmittelalter immer weiter zu, da das Bedürfnis nach dem Lesen privater Messen, von denen sich die Menschen einen Beitrag zur Erlangung des ewigen Lebens versprachen. Dies hatte zur Folge, dass es selbst in Dorfkirchen mehrere Altäre gab, die verschiedenen Heiligen geweiht waren.

Die ältesten figürlichen Holzplastiken im Küstenbereich zwischen Weser und Ems stammen aus dem frühen 13. Jh. Bis zur Reformation fanden diese Heiligenfiguren Verehrung. Danach wurden sie z.T. zerstört oder überlebten in Abstellräumen und Dachböden, wie die hier ausgestellten Sakralfiguren aus Funnix. Diese Figuren zeigen sehr schön die künstlerische Entwicklung von der Romanik des 13. Jahrhunderts bis hin zu den ausdrucksstarken, geschwungenen Formen der Gotik im frühen 16. Jahrhundert.

Keller

Die meisten Kellerräume sind bereits während des spätmittelalterlichen Ausbaus der Burg Jever entstanden. Ursprünglich konnte man durch die Fensterscharten auf den inneren Befestigungsgraben, der mit Wasser gefüllt war, blicken. Im Keller wurden Bier, Wein, gesalzener Fisch sowie das wichtigste Heizmaterial Torf gelagert. Unter dem Eulenturm befanden sich noch Lagerräume für Frischwaren, wie Gemüse und Fleisch. Immer wieder wurden aber auch Gefangene hier untergebracht und verhört.

Dieser Kellerraum besitzt als einziger auch einen Kaminabzug. Hier wurde das Brot gebacken und das Dünnbier für den Eigenbedarf gebraut. Er wurde zwischen 1830-40 ausgebaut und erhielt die gemauerten Entlastungsbögen. Über die schmale gemauert Wendeltreppe konnte man direkt zur darüberliegenden Küche gelangen.