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Tür und Tor im Schloss

Das Schloss zu Jever hat, wie alle Kultureinrichtungen, seine Pforten zur Zeit für Gäste geschlossen; das Eingangstor aus Eisen mit den bronzierten Spitzen, die große Eingangstür mit den beiden Flügeln, das massive Seitentor zum Schlossinnenhof. Nur die kleinen Pforten zum Park sind noch geöffnet. Ein altes Schloss, dessen Wurzeln bis in das Mittelalter ragen, in dem Mauern und Türme noch von der Burg des 14. Jahrhunderts zeugen, trägt schon in seinem Namen den Verschluss, das Abschließen und Sichern. Verrammeln und verriegeln: Dies gehörte zu den wichtigsten Funktionen einer Burg oder eines Schlossbaus. Die Tore, Pforten, Türen und Luken in einem Schloss erzählen aber auch etwas darüber, wer hier Einlass bekam, in welchen Bereich sie führten und welche Funktion sie hatten. In einer Zeit, in der vieles hinter Schloss und Riegel ist, bietet die Spurensuche an Schlüsseln und Beschlägen spannende Geschichten.

Eine Tür zum Garten

Man sieht es richtig vor sich: nach einer kleinen Lesestunde öffnet der Großherzog die Tür und steigt die wenigen Stufen hinab in den Garten seines Schlosses zu Jever. Hier erstreckt sich seit 1830 eine Parklandschaft im englischen Stil, die Elemente der alten Burganlage aufnimmt, aber auch durch die Modellierung der Flächen und der Art der Anpflanzungen die Natur im Kleinen abbilden will. Die Gartentür besitzt Glasfenster, auch im oberen Rundbogen, so dass das Gartenzimmer dahinter lichtdurchflutet ist und auch durch die Fenster, die ähnlich wie die Tür gestaltet sind, träumerische Blicke in den Schlosspark ermöglicht.

Dieser Raum befindet sich im heutigen Erdgeschoss des Eulenturmes, der im frühen 16. Jahrhundert erbaut wurde. In dieser Zeit diente er noch als Geschützturm und aus dem unteren Geschoß, dem heutigen Keller, konnten kleine Kanonen oder Büchsen abgefeuert werden. Damals wurde das gesamte Schloss noch von einem inneren Wassergraben umspült und das Gelände war insgesamt rund zwei Meter tiefer. Als dann die Geschütze immer größer wurden, legte man zur Verteidigung der Burganlage noch eine Bastion davor.

Der Eulenturm diente fortan friedlicheren Zwecken. So war hier in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zeitweise das Konsistorium, also die evangelische Kirchenverwaltung für die Herrschaft Jever, untergebracht. Das heutige Gartenzimmer war damals im ersten Obergeschoss und die Gartentür war eine der Fensteröffnungen, die allesamt im frühen 19. Jahrhundert erweitert wurden. In dieser Zeit baute man ja das gesamte Schloss nach dem Geschmack und Bedarf der Oldenburgischen Herzöge bzw. Großherzöge aus, die seit 1818 das Sagen im Jeverland hatten. Der Eulenturm entwickelte sich zum privaten Wohnbereich der herzoglichen Familie. Die Wände und Fensternischen des Gartenzimmers waren mit Papiertapeten verziert; ein kleines Badezimmer abgetrennt. An der südwestliche Wand befand sich, im Fußboden versteckt, eine kupferne verzinnte Badewanne – was für ein Ausblick, wenn man dort genüsslich planschte. Ein Bleirohr führte das Badewasser durch den Keller in den äußeren Graben ab. Gefüllt wurde die Badewanne durch eine Röhrenleitung von der Küche aus. Über der Badewanne stand ein großer, auf Rollen verschiebbarer Diwan, der beim Nichtgebrauch die Badewanne versteckte.

Ein Einrichtungsplan aus dieser Zeit um 1840 sah für diesen Raum noch einen Bücherschrank, einen Eckdiwan, acht vergoldete und lackierte Rohrstühle, einen runden Tisch zum Ausziehen mit Einlagebrettern, ein Sideboard, zweifach Fenstergardinen, Spuckkasten, Torfkasten, Feuerzange und Schaufel vor. Das Gartenzimmer diente zeitweise auch als Lese- und Bibliotheksraum, hier konnte man mit Blick auf ein Blütenmeer frühstücken.

Heute befindet sich im Gartenzimmer das Museumscafé, dass vor allen Dingen für seine köstlichen Kuchen berühmt ist.

Die Gittertür vor Marias Gang

Wenn man durch den jeverschen Schlosspark spaziert, entdeckt man eine Gittertür aus Eisenstäben, die einen geheimnisumwobenen Gang verschließt. Im englischen Landschaftsgarten, der heute das Schloss zu Jever umgibt, haben sich nur noch wenige Reste der alten Unterburg erhalten.

„Ich komme wieder …“ : Mit diesem Satz auf den Lippen soll Fräulein Maria 1575 nicht gestorben, sondern in einem dunklen Gang entschwunden sein. Die Glocken hätten von nun an jeden Abend vor Anbruch der Nacht geläutet, damit sie den Weg zurück finde. Die Sage hat ihren Ursprung sicherlich in dem Umstand, dass der Tod Fräulein Marias wegen der damaligen politischen Umstände nicht zeitnah bekannt gegeben wurde. Es sollte nämlich dem designierten Nachfolger, Graf Johann VII. von Oldenburg, die Gelegenheit gegeben werden, nach Jever zu gelangen, um die Herrschaft zu sichern, ohne dass zuvor die ostfriesische Seite hätte eingreifen können.

Diese Sage hat sich fest in das kulturelle Gedächtnis des Jeverlandes eingeprägt.

Als am Anfang des 19. Jahrhunderts die Schlossanlage grundlegend erneuert wurde, hatte sich die unsichere Zeit auch für die Menschen der Herrschaft Jever in eine friedliche Periode verändert. Die Sehnsucht nach einer beständigen, verlässlichen guten Herrschaft, wie sie Fräulein Maria für viele verkörperte, war groß.

Der Schriftsteller Ludwig Strackerjan (1825-1881) hat die Sage vom unterirdischen Gang und Fräulein Maria in seiner Sammlung „Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg, 2 Bde. 1867“ dargestellt. Er schildert die Legende folgendermaßen: „Von dem Schlosse zu Jever führen mehrere unterirdische Gänge nach Upjever, Marienhausen etc. In einem dieser Gänge, und zwar, wie die meisten sagen, in dem Gange nach Upjever, soll Fräulein Maria verschwunden sein. Ehe sie hineinging, befahl sie, dass man so lange jeden Abend mit den Glocken läuten solle, bis sie wiederkomme, und dies ist auch bis in die neueste Zeit geschehen … Man hat später oft in die unterirdischen Gänge einzudringen versucht, um zu sehen, wo Fräulein Maria geblieben sei, aber alle, die es gewagt haben, sind darin erstickt. Nur einer ist an eine Tür gekommen. Als er die öffnet, sieht er einen Tisch aus Eisen mit drei (einem) brennenden Lichtern, unter dem Tische lag ein großer schwarzer Hund, der ihn mit feurigen Augen anglotzte …“

Nach den Umgestaltungen des Schlossgeländes Anfang des 19. Jahrhunderts blieb jedoch einzig der Zugang des heutigen sog. Fräulein-Marien-Gangs im Park zu erkennen. Ursprünglich diente er der Verbindung zwischen dem inneren Schlossgraben, der das Gebäude direkt umfloss und dem noch heute sichtbaren, aber ehemals wesentlich breiteren Graben. So wurde die Sage auf ihn übertragen.

Der Gang ist heute ca. 51 Meter lang und ca. 1 bis 1,10 Meter breit. An zwei Stellen erweitert er sich auf eine Breite von ca. 2 Metern. Die heutige Höhe variiert zwischen ca. 1,60 und ca.1,80 Metern. Während er auf seiner gesamten Länge mit Ziegelsteinen unterschiedlichster Formate gemauert ist, weisen die Wände an einigen Stellen im unteren Bereich bearbeitete Granitquader auf. Damit gehört der Gang zu den ältesten Bauteilen aus der Zeit um 1500, die die Schlossanlage aufweist. Viele ältere Jeveraner erinnern sich noch daran, als Kind diesen Gang mit klopfendem Herzen betreten zu haben.

Heute geistern nur noch Fledermäuse durch den Gang. Es ist zu hoffen, dass in Zukunft wieder mehr dieser guten Geister den Gang bevölkern und vielleicht dem Fräulein und ihrem schwarzen Hund Gesellschaft leisten.

Die Tür zur Turmuhrkammer

Hoch oben im Turm des Schlosses zu Jever befindet sich eine Turmuhr, die ihr Ziffernblatt in alle vier Himmelsrichtungen zeigt. Als der Turm 1736 die neue Haube mit der markanten „Zwiebel“ und der Wetterfahne erhielt, wurde auch eine Uhr auf die Spitze gesetzt. Diese Uhr braucht natürlich auch ein Uhrwerk, dass ebenfalls oben im Gebälk angebracht wurde. Ende des 20. Jahrhunderts wurde hier die Technik erneuert, die mittlerweile elektronisch geregelt ist. Einmal im Jahr steigt der Turmuhrmacher die vielen Stufen nach oben, um die die Uhr zu warten und kleinere Reparaturen durchzuführen. Dann öffnet er die schlichte hölzerne Tür zur Kammer, in der die Uhrentechnik seit rund 300 Jahren ihren Platz hat.

Die Tür besteht aus Nadelholzbrettern und wurde einst nur durch einen einfachen Haken gesichert. Die Öse ist noch vorhanden, der Haken fehlt. Die Angeln und die Beschläge sind aus geschmiedetem Eisen.

Die kleine Kammer ist ganz aus Holz gebaut. In der Mitte steht das heute nun elektronisch gesteuerte Uhrwerk. Seilzüge aus Draht führen in die oberen Turmstuben und stellen die Verbindung zum Ziffernblatt mit den Uhrzeigern her; aber auch zu den beiden Glocken, die aus den Jahren 1525 und 1639 stammen und die jede Viertelstunde angeschlagen werden. In der Kammer finden sich aber auch, wie im gesamten Gebälk der Turmhaube, interessante und spannende Inschriften. Schon an der Tür hat ein Handwerker die Initialen seines Namens „B A“ und das Jahr 1879, in dem er hier gearbeitet hat, hinterlassen. In der Kammer finden wir dann Inschriften vom späten 18. bis zum 21. Jahrhundert. Nicht nur die Uhrmacher haben sich hier verewigt, sondern auch Handwerker, die andere Teile des Turmes repariert haben oder einfach nur wagemutige Neugierige, die es ja in jedem Jahrhundert gegeben hat. Eine kleine Bank gibt dem Handwerker die Möglichkeit, hier oben eine Pause zu machen, die sicherlich immer etwas ganz besonderes war. So bequem mit einer Treppe gelangte man nicht immer in die Turmspitze. Bis ins letzte Drittel des 20. Jahrhunderts waren es eher Leitern und wackelige Holztreppen, die nach oben führten. Einige ältere Jeveraner erinnern sich vielleicht noch daran.

Mehr Infos und ein Video zur Reparatur und Wartung der Turmuhr finden Sie hier: Nach dem Winde drehen.

Eine Tür in der Tapete

Man entdeckt sie erst auf den zweiten Blick. Die Tür ist kaum erkennbar. Als Teil der Wandverkleidung bietet die Tür Durchlass vom Speisesaal des Schlosses zu Jever in den angrenzenden Dienstbotengang. Die Bediensteten konnten durch diesen separaten Eingang, ohne die Aufmerksamkeit der großherzoglichen Familie und ihrer Gäste zu erregen, in den Speisesaal kommen und den hohen Herrschaften aufwarten.

Der gesamte langgestreckte Raum erhielt während der großen Restaurierungs- und Umbauphase des Schlosses zu Jever um 1830/40 seine jetzige Gestalt. Geschmückt mit einer handbemalten Papiertapete, die im damals modernen pompejanischen Stil gestaltet ist, wurde hier auch die fürstliche Galerie präsentiert. Die Bemalung zeigt mythologische Figuren und prachtvolle Kandelaber, die überbordend Früchte und Blüten tragen. Diese Art der Malerei findet sich auch in den römischen Villen in Pompeji und Herculaneum, die seit ihrer Entdeckung am Ende des 18. Jahrhunderts die kunstinteressierte Elite Europas begeisterte. Die Tapete wurde so gegliedert, dass die Portraits der Regenten des Jeverlandes und ihrer Familien dort effektvoll platziert werden konnten. Wenn dann der Großherzog zum Jagdessen einlud oder während der Durchreise zur Sommerfrische ins Seebad nach Wangerooge in seinem Schloss in Jever Rast machte und Hof hielt, war dies für seine geladenen Gäste eine beeindruckende Kulisse und unterstrich die Legitimität seiner Herrschaft.

Die Speisen wurden über den angrenzenden Buffettraum präsentiert. Doch für die niederen Arbeiten huschten die Diener, die Zuschneider und Schenken durch die fast unsichtbare Tür am Ende des Saales. Nur eine Olive, ein Drehknopf aus Messing, öffnete diskret die Tür, die ebenfalls mit der Papiertapete und dem Portrait Pauls I., Zar von Russland und Sohn Katharinas d. Gr., geschmückt ist.

Das Tor zum Innenhof

Mit einem mächtigen Schlüssel, einem Kastenschloss und einer Stangenverriegelung wird das große Tor zum Schlossinnenhof verschlossen. Die eisernen Beschläge und Angeln halten die Seitenflügel aus Eichenholz. 1830 wurde die gesamte Schlossanlage zu Jever neu gestaltet. Die Großherzöge von Oldenburg richteten sich im Eulenturm ihre Privatgemächer ein. Der Haupteingang erhielt eine repräsentative Treppe und so war es notwendig, einen neuen Eingang für Karren, Pferdefuhrwerke und Bedienstete zu ermöglichen. An der Südseite des Schlosses wurde ein neuer Zugang mit Einfahrt und Tor geschaffen. Über diesen Zugang konnten Vorräte in den Keller gebracht und die Küche beliefert werden. Auch wurde die persönliche Ausstattung der großherzoglichen Familie bequem herbeigeschafft.

Zu beiden Seiten der Einfahrt wurden Sandsteinblöcke verlegt, die längliche Schabspuren, sog. „Wetzrillen“, aufweisen. Diese Sandsteine befanden sich wohl ursprünglich am Zugang zu den spätmittelalterlichen Burgtoren zur Stadt hin, etwa auf der Höhe des heutigen Amtsgerichtes, die im Zuge der Renovierungsarbeiten ab 1820 abgebrochen wurden. Sandsteine mit Spuren dieser Art, auch „Schwertrillen“ genannt, lassen sich an den Eingängen sowohl von Burgen als auch von Kirchen finden. Ihre Herkunft und Bedeutung ist nicht endgültig geklärt und etwas rätselhaft. Oft gibt es für diese auch sagenhafte Erklärungsversuche. Das Herausschaben von Material an diesen Stellen kann als Wunsch nach Schutz interpretiert werden. Es könnte die magische Vorstellung zur Gewinnung von Kraft durch das rituellen Schärfen von Messern und Waffen dahinterstehen. Hier am Tor zum Innenhof des Schlosses hat man diese Steine ganz bewusst um 1830 als Erinnerung an die alte Burganlage zu Jever verlegt. Bei jeder Durchfahrt wurde dem Besucher so das Alter des Schlosses zu Jever vor Augen geführt.

Die Schlosstür

Eine zweiflügelige eichene Tür ist heute der Haupteingang zum Schloss. Jedes Türblatt zeigt sechs Fächer und der Bogen ist durch fünf Glasflächen gegliedert. Der massive Charakter der Tür wird durch die Eichenholz imitierende Malerei noch unterstrichen. Türangeln und Beschläge sind aus Eisen und müssen das Gewicht der mächtigen Tür halten. Der Haupteingang des Schlosses war bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts noch durch eine breitflächige Wall- und Grabenkonstruktion mit dem mächtigen Burgtor geschützt. Um das Schloss herum befand sich ursprünglich ein Wassergraben, der nach und nach trocken fiel. Noch bis Ende des 17. Jahrhunderts sicherte eine Zugbrücke mit einem Fallgitter den Eingang.

Erst nach dem großen Umbau der gesamten Anlage um 1830 erhielt das Schloss eine offenere Eingangssituation. Die Wälle und die Unterburg wurden abgetragen, die Gräben verkleinert oder zugeschüttet. Auf dem Gelände der Unterburg entstand ein Landschaftsgarten nach englischem Vorbild. Das Schloss öffnete sich nun zum Alten Markt hin. Ein größerer Vorplatz mit der Pflasterung, die das Wappentier des Jeverlandes, „den steigenden Löwen“, zeigt, und die beiden Torhäuser entstanden. Die ehemals offene Durchfahrt erhielt eine repräsentative Tür, die nun der Hofhaltung der Oldenburger Herzöge bzw. Großherzöge dienen sollte. Der Eingangsbereich wurde insgesamt aufgewertet und die Zugänge zum Schlossinneren neu gestaltet. Die Wendeltreppe erschloss seit dieser Zeit die oberen Geschosse. Die mittelalterlichen Wendelsteine im Schlossinnenhof waren nun nicht mehr notwendig und wurden abgerissen. Die Eingangstür lädt nun die Gäste ein. Im 19. Jahrhundert waren es die Jagdgesellschaften des Großherzogs oder die herzogliche Familie mit ihren Bediensteten, die auf der Durchreise zum Nordseebad Wangerooge waren. Nach der Revolution 1918 wurde im Schloss nach und nach das Museum eingerichtet, das allen einen Zugang bietet und das seine Pforten hoffentlich bald wieder für alle Besucher öffnen kann.