Minimuseum

Minimuseum Ellenserdamm

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 „Alle diese lieben Dinge, Antiquitäten, wertlose Gebrauchsgegenstände aus lang vergangener Zeit,

sind wieder zu Ehren gekommen, man hat sie gesäubert, behandelt – jetzt schmücken sie überall

das Heim oder erinnern nur einfach an längst verstorbene Ahnen – vergangene Zeiten.“

(Elisabeth Meyer)


Portrait von Elisabeth Meyer ca. 1960- 1970
Portrait von Elisabeth Meyer ca. 1960- 1970

Bereits 1985 gründete die Heimatforscherin Elisabeth Meyer (geb. Addicks) das “Minimuseum”. Ihr kleines Heimatmuseum hatte den Anspruch, regionale Geschichte im Kleinen darzustellen. Die Idee erwuchs aus einer, gemeinsam mit den Landfrauen organisierten, “historischen Modenschau”.

Elisabeth Meyer stellte hier fest, dass die Erbstücke und Familienschätze, die sich seit Generationen in ihrem Haus befanden, auch von anderen interessant gefunden wurden. Daraufhin richtete Frau Meyer in drei Räumen ihres Privathauses ihr „Minimuseum“ ein und hatte seitdem jeden Mittwoch und auch auf Anfrage geöffnet.

Besonders in den späten 80er und 90er Jahren war ihr Minimuseum ein regelrechter “Geheimtipp” und Ausflugsziel für Schulklassen, Radfahrergruppen, und Vereinsausflüge. Bis zu ihrem Tod 2011 führte Elisabeth Meyer das „Minimuseum“ weiter.

Nun ist das „Minimuseum“ im Besitz des Schlossmuseums Jever. Einige Stücke sind in unserer Dauerausstellung zu besichtigen. Vollständig präsentiert wird das Minimuseum mit neuer Konzeption und Sortierung auf diesen Seiten.

Das Minimuseum früher
Aufbewahrung
Archiv
Beschriftung und Dokumentation
Minimuseum Online

 „Ich dachte an die Frauen, die Kirchen mit Blumen schmücken, ihr Heim zieren,

Spitzen häkeln und ihre Kinder so hübsch wie möglich kleiden;

ich dachte an ihr Zartgefühl und den Schönheitskult, den sie treiben,

obwohl sie mit ihrem Leibe Kinder zeugen. Ich hatte mir die sinnlose Frage gestellt:

„Was mag sie wohl suchen, die Seele des Menschen, die Seele der Frau?“

Und ich glaubte beinahe an den lieben Gott, weil ich seit vier Uhr früh meine Hose geflickt hatte.“

(– Georges Navel)


Stempel 'Mini-Museum', ca. 1985
Stempel „Mini-Museum“, ca. 1985.

Kirche, Küche, Kinder.

Diese sprichwörtlichen „Drei Ks“ umschrieben über Jahre den angeblichen Wirkungs- und Geltungsbereich von Frauen. Vor allem bürgerliche Familien ab dem 19. Jahrhundert waren darauf ausgerichtet, dass der Mann der Herr im Hause war, und seine Ehefrau im Hintergrund wirkte.

Und auch wenn es inzwischen in westlichen Gesellschaften selbstverständlich sein sollte, dass auch Frauen arbeiten können, dürfen und wollen, sind Familien- und Haushaltsarbeiten weiterhin oft Frauensache.

Da das Minimuseum auffällig viele Gegenstände aus weiblichen Lebensbereichen enthält, soll sich im folgenden Tätigkeiten gewidmet werden, die im 19. Jahrhundert und bis in die 1950er Jahre als „typisch weiblich“ galten.

Erinnern
Schreiben
Fotografieren
Handarbeiten
Aussteuer

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Präsentation der Orden im Minimuseum, 1985.

Gegenstände, die einwandfrei den Männern der Familie Addicks zuzuordnen sind, sind im Minimuseum schwer zu finden. Innerhalb des Haushaltes, aus dem ein Großteil der Sammlung stammt, scheinen sie kaum präsent gewesen zu sein. Tatsächlich ist es ein allgemeines Museumsphänomen, dass zwar größten Teils männlich dominierte Lebenswelten Themen von Ausstellungen sind, private Alltagsgegenstände von Männern finden sich aber seltener. Die Kleidung war weniger vielfältig, prunkvoll oder trickreich gefertigt und wurde eher aufgetragen als aufbewahrt. Hobbys, die vielleicht als klassisch männlich bezeichnet werden könnten, wie das Arbeiten mit Holz, Sport- oder Vereinstätigkeiten, manifestieren sich selten im Haushalt. so dass aus dem männlichen Alltagsleben – vor allem im Minimuseum – wenig Dinge bleiben.

Jagd
Orden
Erster Weltkrieg
Feldpostkarten

„Rasch und sicher ging die Wollnadel der Damen hin und her, aber während die Mutter kein Auge von

der Arbeit ließ, legte die Tochter, die den Rufnamen Effi führte, von Zeit zu Zeit die Nadel nieder

und erhob sich, um unter allerlei kunstgerechten Beugungen und Streckungen den ganzen Kursus

der Heil- und Zimmergymnastik durchzumachen. […U]nd wenn sie dann so dastand und, langsam die

Arme hebend, die Handflächen hoch über dem Kopf zusammenlegte, so sah auch wohl die Mama von

ihrer Handarbeit auf, aber immer nur flüchtig und verstohlen, weil sie nicht zeigen wollte, wie

entzückend sie ihr eigenes Kind finde, zu welcher Regung mütterlichen Stolzes sie voll berechtigt war.“

(-Theodor Fontane)


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Kinderschlitten, ca. 1930.

Alle fangen mal klein an. Doch über das Leben von Kindern gibt es in der Geschichtswissenschaft kaum Selbstzeugnisse, sondern höchstens Berichte von Erwachsenen über ihre Kinder. Die Gegenstände, die die Kinder zu unterschiedlichen Zeiten genutzt haben, können uns darum einen neuen Blick auf das kindliche Leben in der Vergangenheit eröffnen. Vor allem, da man davon ausgehen kann, das Spielzeug, das sorgfältig aufbewahrt wurde auch einen gewissen emotionalen Wert gehabt haben muss. Gleichzeitig lassen sich an Spielzeug und Schulsachen auch die gesellschaftlichen Verhältnisse ablesen, denn durch das Spielen lernten die zukünftigen Erwachsenen viel über das Leben, den Erwartungen der Umwelt an sie und die Möglichkeiten, die sie in der Welt hatten, in die sie hineinwuchsen.

Puppen
Miniaturen
Spielzeug
Schule
Aufwachsen und Politik

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Handgeschriebenes Rezeptbuch, ca. 1920.

Grundlage des Minimuseums war der Gedanke Elisabeth Meyers, das Erbe ihrer Familie zu bewahren. Da sich die gesamte Familiengeschichte in einem Haus abspielte, machen Haushaltsgegenstände aus unterschiedlichen Zeiten einen großen Teil der Sammlung aus. Darüber hinaus zeigen uns gerade Dinge aus dem alltäglichen Haushaltsleben, wie stark sich diese Gebrauchsgegenstände in den vergangenen 150 Jahren durch technische Entwicklungen verändert haben.

Küche
Wäsche
Badezimmer
Keramik
Sehen
Vermischtes

Tab 4 F B 3

Die Trennung von Arbeit und Haushalt ist eine Idee, die erst mit der Industrialisierung entstand. Besonders auf dem Land war und ist der Lebensraum auch immer Arbeitsraum gewesen. Damit einhergehend war auch die Grundeinstellung zur Arbeit eine andere.

Klare Trennungen von Freizeit und Arbeitszeit waren kaum möglich. Vielmehr durchdrang die Arbeit das gesamte Leben. Darum bot auch das Haus der Familie Addicks Raum für verschiedenste Berufe, deren Überreste zum Teil im Minimuseum erhalten blieben.

Gemischtwarenladen und Gastwirtschaft
Landwirtschaft
Posthalterei
Weißnäherin

„Eia popeia, dit lüttje Poor Schuh,

Schick ick to de Hochtied vandag de junge Fru

Dem ersten lütt Stammhalter treckst du se an

Schuh mit rosa Band kamt uf´n anner Jahr ran.“

(anonym)


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Broschüre „Kneipgesetze“, ca. 1910.

Die Freizeit als abgesteckter Zeitraum, den der Mensch zur freien Verfügung hat, ist ein Phänomen der Moderne. Gemeinsam Feiertage verbringen, sich unterhalten und auch das gemeinsame Spielen sind selbstverständlich viel älter. Besonders in der Zeit, in der das Haus in Ellenserdammersiel eine Gastwirtschaft war, gab es auch bei den Addicks viele Gelegenheiten, in denen man zusammenfand. Das Leben der Dorfgemeinschaft wurde dabei durch Reisende und Seeleute bereichert, die mit ihren Geschichten, Sitten und Bräuchen das Gemeindeleben prägten.

Feste und Feiertage
Spielen
Tee trinken
Genussmittel

 Der Sturm spielt auf zum Tanze,

Er pfeift und braust und brüllt;

Heisa, wie springt das Schifflein!

Die Nacht ist lustig und wild.

Ein lebendes Wassergebirge

Bildet die tosende See;

Hier gähnt ein schwarzer Abgrund,

Dort türmt es sich weiß in die Höh‘.

Ein Fluchen, Erbrechen und Beten

Schallt aus der Kajüte heraus:

Ich halte mich fest am Mastbaum,

Und wünsche: Wär‘ ich zu Haus!

(Heinrich Heine)


Karte (Repro), 1985
Karte (Repro), 1985.

Elisabeth Meyers Arbeit prägte eine besondere Heimatliebe. Die Region war ihr wichtig. Ihr Verständnis von dem, was Zuhause ist, ging über das eigentliche Haus und die Menschen ihrer Familie und Nachbarschaft hinaus. Romantische Vorstellungen davon, was friesische Kultur ist, sorgten im Oldenburger Land bereits um 1900 dafür, dass eine bildungsbürgerliche Heimatromantik entstand, die das Neue ablehnte und das Alte für die sich scheinbar bis zur Unkenntlichkeit verändernde Nachwelt erhalten wollte.

Archäologie
Heimat
Seefahrt

Kleid, ca. 1920
Kleid, ca. 1920.

Historische Kleidung und Mode: Das war Elisabeth Meyers Steckenpferd. Die Idee des Minimuseums entstand erst, als sie mit ihren Freundinnen eine historische Modenschau organisierte. Auf dieser wurden 1984 die erhaltenen, aber auch nachgeschneiderten Kostüme in lockerer Runde angezogen und präsentiert. Für den Ablauf tippte Frau Meyer sogar ein Script auf der Schreibmaschine. Der Nachmittag ist auf den ersten Seiten des Gästebuchs mit Fotos dokumentiert. Im Gegensatz zur umfangreichen Textilsammlung des Schlossmuseums bietet das Minimuseum eher eine Art Parforceritt vor allem durch die letzten zwei Jahrhunderte der Modegeschichte.

Textilgeschichte
Kinderkleidung
Unterwäsche
Kopfbedeckungen
Schürzen
Kragen
Taschen
Accessoires