Schwerter, Degen und Säbel

Die Blankwaffensammlung des Schlossmuseums

Das Schlossmuseum Jever besitzt einen kleinen aber repräsentativen Bestand an Hieb- und Stichwaffen.

Der Bestand geht im Wesentlichen auf die Sammlung des 1886 gegründeten Jeverländischen Vereins für Altertumskunde zurück. Geber waren engagierte Bürger des Jeverlandes und Mitglieder des neuen Vereins. Auch in späteren Jahren kamen immer wieder Stücke hinzu, so dass die Sammlung heute Exponate vom Mittelalter bis zum Zweiten Weltkrieg umfasst.

Einige der heute im Schlossmuseum befindlichen Waffen haben eine besondere und eng mit dem Jeverland verknüpfte Geschichte. Andere spiegeln die Wirren der europäischen Machtkämpfe und die politischen Veränderungen vom Mittelalter bis heute wider.

Die Waffenentwicklung ist ein Bestandteil der Kulturgeschichte. Hier zeigen sich technischer Stand, ästhetische Vorstellungen, kulturelle Veränderungen verschiedener Epochen, aber auch die zunehmende Planung, Technisierung und Ökonomisierung des Tötens.

Als Werkzeuge des Todes sind Waffen auch stets Symbole der Macht. Als Ausdruck männlicher Stärke, aber auch als modische Accessoires, wurden sie kunstvoll verziert, geschmückt, besungen, gesegnet, mit großem Stolz getragen und vererbt.

Viele dieser prunkvollen Symbole waren nur bedingt für einen Kampf geeignet. Sie waren zu schwer, zu zerbrechlich, zu groß oder zu klein und dienten allein dem Vorzeigen. Andere wurden für gesellschaftliche Rituale und sportliche Übungen bestimmter sozialer Schichten entwickelt. Der Umgang mit ihnen war wie die Gesellschaft selbst streng geregelt.

Torsten Pöschk

© Schlossmuseum Jever

RichtschwertDegenSäbelBajonetteJagdwaffen

Das Richtschwert der Stadt Jever

Im Jahre 1582 wurde für die Gerichtsbarkeit der Stadt Jever dieses Richtschwert angeschafft. Die Gerichtsbarkeit der Stadt war nach dem Tode der letzten selbständigen Herrin Maria in der Hand der neuen oldenburgischen Landesherren gelangt.

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Richtschwert der Stadt Jever, 1582, Schlossmuseum Jever

Am Ansatz der Klinge ist der Weihespruch der Waffe eingraviert: „Ihr gottlose menschen Kinder Unbussfertige Frefler Sünder, Schau ein Wunder wass für Straffe, Treffen wird Dich Sünden Sclave. Ich dass werckzeug, glaube mir, Treibe keinen Spott mit Dir. Ich muß Straffen Dass verbrechen, als wie Recht und Richter sprechen“

Auf dem Richtplatz von Jever, dem Alten Markt, fanden im 16. Jahrhundert nicht nur grausame Hexenverbrennungen, eine der unrühmlichen Erscheinungen der Regentschaft Marias von Jever, statt. Im jeverschen Landrecht von 1530 standen auf Kapitalverbrechen verschiedenste Hinrichtungsarten. Im beginnenden Zeitalter des Humanismus etablierte sich auch in Jever die als ehrenvoller geltende Hinrichtung durch das Schwert. So wurden mit diesem Schwert unter der Oldenburger Herrschaft im 17. Jahrhundert vier Frauen „gnadenweise“ enthauptet, die der Hexerei bezichtigt waren.

Der „gnadenvolle“, schnelle Tod wurde durch die besondere Bauweise der Richtschwerter ermöglicht. Die sehr breiten Klingen dieser Schwerter haben einen hohen Schwerpunkt, der einen sehr kräftigen und wirksamen Hieb erlaubte.

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Detailansicht des Richtschwertes der Stadt Jever

Degen alter Art: Klassischer Degen und Florett

Der Degen alter Art ist eine klassische Stichwaffe mit schmaler beidseitig geschärfter Klinge, die in eine schmale Spitze hinausläuft und im Kampf hauptsächlich zum Stechen diente. Der klassische Degen entwickelte sich in der Renaissance, die eine Blüte der Fechtkunst mit sich brachte.

Im ausgehenden 17. und vor allem im 18. Jahrhundert entwickelte sich der Degen hin zu einem Adelsaccessoire mit prachtvollen Verzierungen auf Gefäßen und Klingen, die oft aus Vorlagenbüchern stammten. Die Klingen verkürzten sich, wurden gebläut und vergoldet und verloren ihren wirksamen Charakter. Die Gefäße aus Messing oder aus Bronze waren oft vergoldet.

Als ziviles Accessoire verschwand der klassische Degen um 1830, wurde aber noch zu Beginn des 20. Jh. vereinzelt als Teil der Beamtenuniform getragen.

Degen und Zweispitz eines Oldenburger Staatsbeamten

Nach 1600 entstand in Frankreich eine Abart des Degens, das Florett. Hauptmerkmal ist das Fehlen des Griffbügels.

Das Florett, dessen Blütezeit das 18. Jahrhundert war, wurde für die streng reglementierten, tanzartigen Fechtübungen genutzt. Der Adel trug diese Waffen als Accessoire. Sie dienten der Repräsentation ständischer oder staatlicher Macht.

Galanterieflorett

Degen neuer Art: Pallasch und Haudegen

Das Wort „Pallasch“ leitet sich vom ungarischen Wort „Pallos“ für „Schwert“ ab. Der Pallasch war ursprünglich ein Säbel mit gerader Klinge. Im 16. Jh. hatten die schweren ungarischen und polnischen Adelskavallerien diese Waffe von den Türken übernommen.

Der Pallasch ist wegen seiner geraden Klinge eng mit dem Degen verwandt. In der preußischen Armee wurde die Waffe ihrer Funktion entsprechend „Haudegen“ genannt.

Durch die kräftige gerade Klinge ist der Pallasch wie ein Säbel als Hiebwaffe einsetzbar aber auch zum Stoß geeignet. Mit einer Gesamtlänge von bis zu 1,10 Meter war die Waffe für die schwere Reiterei im Kampf zu Pferde besonders wirkungsvoll.

Französischer Pallasch

Der Haudegen erlebte seine größte Verbreitung im 18. Jh. Schon zur Mitte des 19. Jh. kamen leicht gekrümmte Säbel auf, die einen Mittelweg zwischen dem geraden Pallasch und dem stark gekrümmten Säbel darstellten. Die Anforderungen an die Waffen hatten sich durch neue taktische Konzepte verändert. Die schwere Kavallerie hatte ihre Bedeutung verloren.

Der Pallasch überlebte in den kräftigen Infanteriedegen,die wie der Pallasch nur noch eine Schneide besaßen. Die letzten Modelle der schweren Kavallerie- Haudegen wurden in Europa am Ende des 19. Jh. neu eingeführt.

Preußischer Haudegen

Die Säbel im Schlossmuseum Jever

Der Säbel (ungarisch: szablya) ist eine leichte Hieb- und Stichwaffe. Der militärische Säbel hat eine gebogene Klinge, die nur an einer Seite geschliffen ist. In vielen Fällen ist der Klingenrücken auf den ersten 10-30 cm von der Spitze an geschärft (Schör), um beim Rückhandschlag Wirkung zu erzielen und auch die Stoßeigenschaften zu verbessern.

Säbel wurden hauptsächlich von der Kavallerie verwendet. Leichtere Modelle kamen gegen Ende des 17. Jahrhunderts auch bei der Infanterie in „Mode“.

Reitersäbel

Die kurzen Infanteriesäbel des 18. Jh. blieben bei den Grenadieren noch lange als Nahkampfwaffe in Gebrauch.Ende des 19.Jahrhunderts gingen viele Truppen, vor allem die Infanterie, wieder zu den Degen über. Offiziere trugen nach 1850 längere, feinere Säbel, die als Statussymbole dienten. Wie der Degen überlebte der Säbel in verkleinerter Version als Ehrenzeichen bis in die heutige Zeit.

Füsilier- und Artilleriesäbel

Bajonette, aufpflanzbare Seitengewehre und Spezialmesser

Als Seitengewehr werden alle an der Seite getragenen Waffen mit Griff und Klinge bezeichnet. Aufpflanzbare Seitengewehre sind Kombinationswaffen, die als Säbel, Messer oder Dolch mit Griff verwendet oder auf den Lauf einer Schusswaffe aufgesteckt werden können.

Das Wort „Bajonett“ ist von der französischen Stadt Bayonne abgeleitet. Dort wurde die in den Lauf einsteckbare Stoßwaffe im 17. Jahrhundert entwickelt und allmählich in ganz Europa gebräuchlich.

Bajonette

Erst mit Einführung des Hinterladergewehres in der Mitte des 19. Jh. verschwanden die Tüllenbajonette zu Gunsten der aufsetzbaren Seitengewehre mit Griff. Von diesen Seitenwaffen gab und gibt es unzählige Varianten, die sich je nach Einsatzzweck stark unterscheiden.

Seitengewehre

Hirschfänger und Plauten

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Hirschfänger, Zerbster Militär, 18. Jahrhundert, Schlossmuseum Jever

Hirschfänger und Jagdplauten sind ca. 50 – 70 cm lange Hieb- und Stoßwaffen. Sie wurden für die Jagd verwendet.

Im 18. Jahrhundert wurden Hirschfänger und Jagdplauten, ähnlich wie Galanteriedegen, zum Bestandteil der Kleidung, der Jagd- und Forstuniformen. Als Materialien für die reich verzierten Griffe wurden Messing, Silber, Gold, aber auch Hirschhorn und gelegentlich Elfenbein genutzt. Der Hirschfänger entwickelte sich im 17. Jh. aus dem Jagddegen. Er diente zum Abfangen von Rot- und Damwild, aber auch von geringen Sauen. Der Fangstoß wurde schräg von vorne in das Herz des von Hunden gestellten oder krankgeschossenen Wildes geführt. Der Hirschfänger war bei den Feudaljagden des 18. Jahrhunderts das Kennz- und Ehrenzeichen des „hirschgerechten“ Jägers.

Die Plaute unterscheidet sich vom Hirschfänger durch ihre leicht gebogene und nur vorn beidseitig geschliffene Klinge. Die Plaute entstand aus dem militärischen Kurzsäbel, was nicht selten durch die Klingeninschrift „Vivat Pandur“ belegt wird.

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Jagdplaute, 18. Jahrhundert, Schlossmuseum Jever

Plauten wurden hauptsächlich bei der Parforcejagd verwendet, um dem gestellten Hirsch die Sehnen der Hinterläufe zu durchtrennen, damit er nicht mehr fliehen konnte. Dieses „Hessen“ geschah vom Pferd aus oder durch einen Jagdknecht zu Fuß. Die gebogene Klinge ermöglichte dabei einen ziehenden Schnitt, der wirksamer war als ein bloser Schlag. Notfalls konnte die Plaute auch zum Abfangen verwendet werden.

Die angeführten Jagdmethoden sind nur aus der damaligen Zeit heraus zu verstehen und deuten an, dass die herrschaftliche Jagd und das Jagdwesen Teil des absolutistischen Repräsentationsvokabulars waren. Der Gewalt kam darin eine bedeutende Rolle zu.