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Die Panzerknackerbande [Blog]

Fünf Männer und ein Tresor an einem heißen Sommertag: Das ist der Beginn einer Geschichte, in der es um Mühen, Schweiß und den erfolgreichen Transport eines etwa 300 Kilogramm schweren Stahlschrankes von der Großen Wasserpfortstraße 3 ins Magazin des Schlossmuseums Jever geht. Bei dem Panzerschrank handelt es sich um das Stück, in dem wahrscheinlich ab 1890 die Wertsachen des Geschäftes van Lengen in Jever aufbewahrt worden sind. Als wir eintreffen, steht der solide Schrank auf einem gemauerten Sockel in einem kleinen Extraraum. Die Mannschaft ist mit einem Hubwagen, diversen Holzpaletten, Vierkanthölzern und Spanngurten ausgestattet. Extra besorgt wurden einige Eisenrohre, auf denen wir in den darauffolgenden 1 ½ Stunden das schwere Teil auf der Palette hin- und herbewegen: diese Technik wurde angeblich schon bei den Steinen der Pyramiden angewendet. Das bleibt nicht die letzte Parallele zum alten Ägypten: Sowohl die Hitze als auch die Neuentdeckung der Schwerkraft, ausgelöst durch das kompakte Gewicht dieses Möbels, lassen die Männer altertümlich fluchen und wie Sklaven ackern.

Zunächst sah alles erfolgsversprechend aus, nach kurzer Überlegung wurde ein Turm auf dem Hubwagen gebaut, auf dem der Tresor recht schnell von seinem Sockel rüber gezogen werden konnte. Doch stellte sich danach heraus, dass der wunderbare Unterbau nicht durch die Tür passte. Nun war guter Rat teuer. Idee Nr. 1: Wir entfernen die überstehenden Kanthölzer, indem wir den Tresor jeweils anheben und die Hölzer wegziehen. Dies erwies sich als Mikado Spiel mit ungewissem Ausgang, jeder ohne Sicherheitsschuhe suchte schnell Abstand und auch wenn wir den Schrank gut auf der obersten Palette festgegurtet hatten, war hier Nervenstärke erforderlich.

Idee Nr. 2 kam daraufhin zum Zug: Den Schrank einfach auf eine weitere Palette runterlassen und diese dann wegfahren. Dies war gut gedacht, erwies sich aber in der Umsetzung als herausfordernd, da die 300 Kilo mal zur einen und mal zur anderen Seite rutschten. Großes Aufatmen, als der Tresor dann auf dem Boden angekommen war. Mit einem letzten Aufgebot an Muskelkraft wurde er auf den Hubwagen gehievt und konnte durch die Fußgängerzone bis zum Magazin gezogen werden. Hier hat er einen neuen Stellplatz gefunden und wird vielleicht auch wieder als Ort für Wertgegenstände benutzt.

Bei dem Tresor handelt es sich um ein Berliner Fabrikat der Firma G. Fuhrmann. Ein Medaillon mit den Buchstaben „G F“ sowie die Verzierungen auf der Innenseite der Tür, die als Blüten im Relief mit einem Mäanderband versehen sind, lassen diese Zuordnung zu. Des Weiteren ist die Firma für ihr ungewöhnliches Schließpatent bekannt: Mit einem Schlüssel, der wie eine Art Korkenzieher oder Förderschnecke geformt ist, wird der Schließmechanismus durch eine halbe Drehung betätigt. Die Zweckmäßigkeit dieses Gegenstandes, der vor allem auf sichere Verwahrung- sprich Schutz vor Diebstahl oder Feuer – ausgelegt war, wird durch die aufgebrachten Verzierungen optisch abgemildert. Kleine Säulen flankieren die Tür und ein Kranzgesims mit seitlichen Vasenaufsätzen erzählen von einer Zeit, in dem sich selbst der Tresor der Inneneinrichtung des Wohn- oder Geschäftshauses anzunähern hatte. Ein wunderbares Vergleichsstück, das dazu auch noch eine Holzoptik besitzt, befindet sich übrigens im Geschäft Bargen in Jever. Dort wird dieser sicher über hundert Jahre alte Panzerschrank noch vielfach auf- und zugeschlossen, wie mir berichtet wurde. So ein Tresor kommt eben nie aus der Mode.

Von Maren Siems, die den Transport vor allem durch mentale Stärke und die Ausgabe von Mineralwasser unterstützte.