Die Restaurierung des Edo Wiemken-Grabmals, das Begräbnis Marias von Jevers, eine Sage und viele Forschungsfragen
Im Maria-Jubiläumsjahr 2025 wurde mit der Freilegung der Gruft unter dem Grabmal Edo Wiemkens eine der bedeutendsten kulturhistorischen Entdeckungen in Friesland, ja in ganz Niedersachsen gemacht. Nach vielen Jahren der Vorbereitung mit Klimamessungen, Regulierungen der Luftfeuchte und Temperatur sowie der Sicherung des Choranbaus finden seit 2022 Restaurierungen und Reinigungsmaßnahmen im Sepulkralbau in der jeverschen Stadtkirche statt. Das Edo Wiemken Grabmal gehört zu den bedeutendsten Kunstwerken der Renaissancezeit in Nordeuropa. Nicht von ungefähr ist es als Kulturgut von nationalem Rang eingestuft. Der Bund (vertreten durch den Beauftragten für Medien und Kultur) und das Land Niedersachsen (vertreten durch das Ministerium für Wissenschaft und Kultur) finanzieren die aufwendigen und herausfordernden Restaurierungsmaßnahmen.
Die zahlreichen Risse und Abplatzungen an den Figuren und Friesen, die verschiedenen Materialien wie Holz, Sandstein, Marmor, Gibs und Alabaster sowie Statikprobleme stellten das Restaurierungsteam vor große Probleme. Um den Fachleuten die Chance auf eine genauere Untersuchung des Risses und insbesondere des Bodens rund um die Gruft zu gewährleisten, wurde schnell deutlich, dass dafür die Gruft geräumt werden musste. Auch im Hinblick auf eine spätere Sanierung und Stabilisierung des Gewölbes ist dieses Vorgehen zwingend erforderlich.
Für diese spezielle Aufgabe der Grufträumung, sowohl was die technisch-wissenschaftliche Herangehensweise als auch der pietätvolle und sensible Umgang mit den Särgen, den Gebeinen und möglichen weiteren Hinterlassenschaften anbelangt, war die Einbeziehung weiterer Experten notwendig. Die Kollegen von der „Forschungsstelle Gruft“ haben im Umgang und in der Erforschung der Bestattungskultur seit Jahrzehnten Deutschlandweit Erfahrung. In unserer Region wurde bereits die Grüfte in Varel und Dornum beispielsweise von dem Wissenschaftlerpaar Ströbl dokumentiert.
Nach der Räumung der Gruft unter dem Edo-Wiemken-Grabmal in der jeverschen Stadtkirche liegen nun erste Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen vor. Knochenfragmente, die dabei geborgen wurden, waren zur Analyse an das Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut für historische Anthropologie und Humanökologie der Georg-August-Universität Göttingen geschickt worden. Die dort durchgeführten Untersuchungen erlauben es, zwei der menschlichen Gebeine mit großer Wahrscheinlichkeit Personen zuzuordnen.So handelt es sich bei einem recht vollständig erhaltenen Skelett um eine weibliche Person, die mit etwa 40 Jahren gestorben ist. Mit großer Wahrscheinlichkeit sind diese sterblichen Überreste Anna zuzuordnen, der älteren Schwester Fräulein Marias, die im Jahr 1536 im Alter von 36 Jahren starb.
Die Knochenfragmente aus einer weiteren Beinkiste gehören den Untersuchungen zufolge zu einer männlichen Person mit fortgeschrittenem Sterbealter. Sie lassen sich daher am ehesten Edo Wiemken zuordnen, der im Alter von 57 Jahren verstorben ist. Die Überreste aus einer dritten Beinkiste stammen ebenfalls von einer erwachsenen Person. Weitere Aussagen lassen sich jedoch bisher aufgrund der geringen Menge der Funde und dem schlechten Erhaltungszustand nicht treffen. Die menschlichen Überreste waren zum größten Teil bereits zu sogenanntem Brushit, einer kalkhaltigen Substanz, die beim Abbau des Knochenmaterials entsteht, umgewandelt.
Zahlreiche historische Indizien deuten nach wie vor darauf hin, dass sich in dem großen Sarg vermutlich die Überreste von Fräulein Maria von Jever befinden. Er weist allerdings kein geeignetes Material mehr für derzeit mögliche anthropologische Untersuchungen auf. Damit bleibt das Rätsel um die letzte Ruhestätte Fräulein Marias vorerst weiter bestehen.
Von Antje Sander, die sehr dankbar ist, ihren Teil zu diesen spannenden Forschungen und zum Erhalt des Grabmals beitragen zu können.
Weitere umfassende Informationen zu den Untersuchungen zur Gruft sowie zum Edo-Wiemken-Grabmal erhalten Sie auf folgenden Seiten:
- Das Geheimnis der Gruft (Vorträge & Berichte)
- Das Edo-Wiemken Grabmal







