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Gerstensaft und Hirsebier – 5000 Jahre Biergenuss

05. Juli – 31. Oktober 1998

In Kooperation mit dem Landesmuseum für Natur und Mensch Oldenburg widmet sich das Schlossmuseum Jever anlässlich des 150jährigen Bestehens des Friesischen Brauhauses zu Jever dem Thema “Bier”. Während im Naturkundemuseum Oldenburg die landwirtschaftlichen Grundlagen, die Biertraditionen im antiken Mittelmeerraum sowie völkerkundliche Aspekte behandelt werden sollen, widmet sich das Schlossmuseum der Funktion von Bierkonsum in der Gesellschaft des späten Mittelalters und der Neuzeit. Dies geschieht am Beispiel des norddeutschen Raumes, wobei möglichst regionale Akzente gesetzt werden. Durch die zeitgleiche Präsentation beider Ausstellungsteile ist eine Verknüpfung der musealen Landschaft der Region gegeben.

Mit der Frage wann, warum, wie Bier getrunken wurde, möchte die Ausstellung im Schlossmuseum neue Akzente setzen und inhaltliche Schwerpunkte vertiefen, die in vergleichbaren Ausstellungen, die sich vornehmlich der Technikgeschichte widmen, nicht behandelt werden.

Die gemeinstiftende Funktion des Biertrinkens äussert sich beim zünftischen Umtrunk des Mittelalters ebenso wie beim Kindelbier- Trinken oder bei studentischen Zusammenkünften. Feste ritualisierte Formen geben der berauschenden Wirkung des Bieres einen Rahmen, in dem die Droge Alkohol gesellschaftlich anerkannt, ja sogar zwingend notwendig gemacht wird. In Friesland hat es, wie anderswo auch, zahlreiche Sitten und Gebräuche gegeben, bei denen das gemeinschaftliche Trinken von Bier eine wichtige Rolle spielte.

Daneben hatte Bier aber auch eine wichtige Funktion als Grundnahrungsmittel. Die vielen privaten Brauereien, die es noch bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts gegeben hat, deckten den alltäglichen Bedarf, während auch der Import besonderer Biersorten, wie Hamburger oder Einbecker Bier, seit dem Mittelalter in Friesland nachweisbar ist. Mit der Industrialisierung auch in der Nahrungsmittelherstellung verschwinden die kleinen Brauereien mehr und mehr und machen einer Konzentration auf wenige industriell betriebenen Grossbrauereien Platz. Diese Entwicklung lässt sich in Jever sehr gut am Beispiel der Fetköterschen Brauerei nachvollziehen.