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Das Fräulein und die Renaissance. Maria von Jever (1500-1575)

3. September bis 31. Dezember 2000

Herrschaft und Kultur in einer friesischen Residenz des 16. Jahrhunderts

Zum 500. Geburtstag der letzten selbständigen Regentin des Jeverlandes Fräulein Maria von Jever (1500-1575) präsentiert das Schlossmuseum eine Ausstellung, die die Lebenswelt einer Residenz im Friesland des 16. Jahrhunderts zum Thema hat. Die Kassettendecke im Audienzsaal, der Huldigungsbecher oder das venetianische Fadenglas geben einen Eindruck von der repräsentativen Pracht. Die Bibliothek des Kanzlers Remmer von Seediek führt in die humanistische Gelehrtenwelt der Zeit ein. Ein Besuch lohnt sich, zeigt er doch wie in vielen Bereichen die kleine Herrschaft von den grossen Kulturströmungen Europas im Renaissancezeitalter berührt wurde.

Friesland und Jever feiern den 500. Geburtstag Fräulein Marias (1500-1575)

Im Jahr 2000 jährt sich zum 500ten Male der Geburtstag der letzten selbständigen Regentin des Jeverlandes. Ihre persönliche Lebensgeschichte und ihr politisches Geschick faszinieren auch heute noch. Viele Impulse, die während ihrer Regierungszeit gesetzt wurden, wie der Ausbau Jevers zur Residenzstadt, die Modernisierung der Verwaltung, die Erneuerung des Deichbaus, die Förderung von Bildung und Kultur machten den besonderen Reiz der Geschichte der Region aus.

Renaissance live

Ein besonderes Erlebnis bietet das Schlossmuseum am Sonntag, dem 3 September. Musik, verschiedene Speisen und Getränke, Lesungen und die Sonderausstellung führen alle ihre Sinne in die Welt des 16. Jahrhunderts.

Ausstellungsplakat
Maria von Jever: Zwischen Herrschaftsanspruch und Repräsentationsbedürfnis

Fräulein MariaMaria von Jever (1500 – 1575), Tochter des friesischen Häuptlings Edo Wiemken und der Oldenburger Grafentochter Heilwig, wurde durch den frühen Tod ihrer Geschwister Christoph, Dorothea und Anna zur alleinigen Dynastievertreterin der Wiemkens. Da die ihr versprochene Heirat mit einem der ostfriesischen Grafensöhne nicht zu Stande kam, nahm sie ab 1530 eine betont anti-ostfriesische Haltung ein. Ihre Regierungsgeschäfte waren nach dem Vertragsbruch ganz auf den Erhalt und den Ausbau des jeverschen Territoriums ausgerichtet. Dank kaiserlicher Unterstützung gelang es ihr, ostfriesische Gebietsansprüche mit diplomatischen und militärischen Mitteln dauerhaft abzuwehren.

Jever nahm in dieser Phase den Charakter einer Residenzstadt an und wurde zum Mittelpunkt des ihm zugeordneten Territoriums. Um ihrem eigenständigen Interesse zur Durchsetzung ihrer landesherrlichen Ansprüche im Inneren und Äusseren Ausdruck zu verleihen, ergriff sie verschiedene Massnahmen: systematische Befestigung des Fleckens Jever, Verleihung der Stadtrechte 1536, Umwandlung der Burg zum Schloss, grossangelegte Eindeichungsmassnahmen zur Vermehrung der landesherrlichen Einkünfte, Ausbau ihres Sommersitzes Marienhausen sowie Einrichtung des herrschaftlichen Jagdsitzes im Forst Upjever, repräsentative Ausgestaltung von Schloss und Kirche. Die wirtschaftliche Entwicklung wurde massgeblich durch die Intensivierung der Münzprägung und die Vereinheitlichung von Massen und Gewichten gefördert.

Unter ihrer Herrschaft wurde auch das “friesische Recht” endgültig durch Gesetzesformen abgelöst, die dem römischen Recht entsprachen. Das bedeutete: Straftaten von grösserem Ausmass konnten nicht mehr ohne weiteres durch Geldbussen gesühnt werden. Im jeverschen Landrecht von 1530 standen auf Kapitalverbrechen bereits die verschiedensten Arten von Hinrichtungen wie Tod durch das Feuer, Schwert oder Räder. Die Gerichtshoheit lag in der Hand des Landesherrn. Auffälligstes Beispiel des praktizierten Strafvollzugs in der Herrschaft Jever ist das Richtschwert von 1582. Richtplatz in Jever war der alte Markt.

“Das gnädig Fräulein Maria” hat aus dem kleinen Flecken Jever einen frühmodernen Territorialstaat mit eigener Münzprägung, repräsentativen Bauten und international beachteten Kunstwerken geschaffen. Ihr Einfluss in den Bereichen Verwaltung, Handel, Kultur, Bildung und Deichsicherheit ist auch heute noch in vielfältiger Weise sichtbar, beispielsweise durch das aus der von ihr gegründeten Lateinschule hervorgegangene Mariengymnasium, die von ihrem Kanzler gegründete Bibliothek, das Edo-Wiemken-Grabmal oder die Kassettendecke im Audienzsaal des Schlosses, einem Kunstwerk von europäischem Rang. Die historischen Objekte aus dieser Zeit nehmen in der Sammlung des Schlossmuseums eine herausragende Stellung ein.

Weitere Informationen: ↑ www.maria-von-jever.de