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Pütten und Achten. Historische Wasserversorgung und traditionelles Püttbier

28. April – 04. Juni 2006

Vor 250 Jahren erhielt Jever seine erste “Püttordnung”, in der die Wasserversorgung und die Unterhaltung der öffentlichen Brunnen geregelt wurde. Die Hausbesitzer eines Straßenzuges in der Innenstadt regelten dies gemeinschaftlich in den “Püttachten”. Traditionell traf man sich einmal im Jahr zum so genannten Püttbier.

Dieses Fest wird noch heute, auch nach der Errichtung von Wasserleitungen, in Jever gefeiert. In den z.T. über zweihundert Jahre alten Püttbüchern wurden nicht nur die nachbarschaftlichen Verpflichtungen festgehalten, sondern oft auch vergnügliche oder kuriose Ereignisse geschildert.

Die Brunnenordnung von 1756

Vor 250 Jahren erhielt Jever eine allgemeine „Püttordnung“, in der die Wasserversorgung und die Unterhaltung der öffentlichen Brunnen geregelt wurden. Die Hausbesitzer eines Straßenzuges in der Innenstadt organisierten dies gemeinschaftlich in den „Püttachten“.

Traditionell traf man sich einmal im Jahr zum so genannten Püttbier. Dieses Fest wird noch heute, auch nach dem Bau von Wasserleitungen, in Jever gefeiert. In den zum Teil in die Zeit vor 1756 zurückreichenden Püttbüchern wurden nicht nur die nachbarschaftlichen Verpflichtungen festgehalten, sondern oft auch vergnügliche und kuriose Ereignisse geschildert.

Wasserversorgung in Jever

Das „General-Register über die Publiquen Brunnen in der Stadt Jever“ von 1781 führt 14 Pütten in der Altstadt an, eine Aufzählung aus dem Jahre 1813 nennt darüber hinaus sechs öffentliche Brunnen in der Vorstadt. In der eng bebauten Siedlung, die 1536 befestigt wurde und Stadtrechte erhielt, war Trinkwasser in ausreichender Menge nur aus Brunnen zu gewinnen. Es genügte nicht, wie auf dem Land, Regenwasser in „Lecktünnen“ aufzufangen.

Die Bürger Jevers mussten auch Löschwasser für den Fall eines Brandes bereithalten – eine Aufgabe, die ebenfalls den Püttachten zufiel. Sie stellten Kupen zur Verfügung, mit Wasser gefüllte Holzbottiche, die auf einem Schlitten zur Brandstelle gezogen werden konnten.

Durststiller und Rauschmittel

Die Pütten versorgten außerdem die Gewerbetreibenden: Insbesondere die Bierbrauer der Stadt brauchten viel Wasser. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Dünnbier neben Buttermilch das vorherrschende Getränk im Alltag. Ein Grund dafür war die häufig schlechte Trinkwasserqualität – Zeitgenossen warnten immer wieder vor verseuchtem Brunnenwasser.

Nach der Einführung von Tee und Kaffee wurde Bier im 19. Jahrhundert zum Genussmittel, das man „in gepflegter Runde“ trank. Das sich ausbreitende Vereinsleben etwa, Ausdruck des gesteigerten Selbstbewusstseins bürgerlicher Schichten, bot immer wieder Anlass für Zusammenkünfte, bei denen das Biertrinken eine wichtige Rolle spielte.

Püttbier

„Das Püttbierfest ist für Jever ein Fest, welches an den Carneval der südlichen Länder Europas erinnert.“ So ein Bericht der Oldenburger Blätter aus dem Jahr 1836.

Ursprünglich gab es bei der Zusammenkunft aller Mitglieder einer Püttacht nur Bier, Branntwein und Tabak. Seit dem 19. Jahrhundert aber wird ein größerer Aufwand betrieben, und es werden eigens zu diesem Anlass verfasste Püttlieder gesungen.

Das Püttbier dient heute in erster Linie der Traditionspflege, man vergewissert sich der „eigenen“ geschichtlichen Identität. Hinzu kommt die Freude der jeverschen Bürger am Feiern, die schon den Püttbucheinträgen vergangener Jahrhunderte entnommen werden kann. Im Püttbuch St.-Annen-Straße zum Jahr 1854 ist zu lesen:
„Ein frohes Püttbier war es heut,
das sei verkündet späteren Leut’.“