Der ca. 4 ha große Schlosspark Jever, ab 1828 nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten angelegt, gehört zu den bedeutendsten Gartenkunstwerken Nordwestdeutschlands und bildet zusammen mit dem Schloss ein einzigartiges Ensemble. Die gestaltete Natur mit ihren Schätzen an Flora und Fauna machen den besonderen Reiz dieses historischen Gartens aus, der seit 1951 unter Landschaftsschutz steht.
„Situation des Alten Markt und des Schlosses an der Stadt Jever“, Zeichnung von E. Dunker 1815, überarb. von E. Folkers, 1932, Archiv Schlossmuseum Jever
Für die Verteidigung der Häuptlingsburg in Jever haben Wassergräben eine wichtige Rolle gespielt. Im Niederdeutschen werden Wasser führende Gräben auch Graft genannt.
Wie auch die 1435 zerstörte Sibetsburg oder die Burg der Cirksena in Greetsiel sicherte ein doppeltes Grabensystem mit zusätzlichen Wällen die Anlage in Jever.
Der innere Graben verlor bereits Anfang des 18. Jahrhunderts seine Funktion, führte kaum noch Wasser und wurde nach und nach zugeschüttet.
Der äußere Graben hatte ursprünglich eine Breite von bis zu 45 Metern. Seine Tiefe konnte 2025 bei einer Vermessungsaktion der Jadehochschule mit bis zu 1,6 Metern nachgewiesen werden.
Dieses starke Verteidigungssystem war vor allen Dingen im Zuge der schweren Auseinandersetzung zwischen den ostfriesischen Grafen und jeverschen Häuptlingen im 15. und 16. Jahrhundert von Bedeutung.
Auf dem Gemälde „Einzug der Kosaken“ ist noch die Situation von 1813 dargestellt: der hohe steile Wall begrenzt den inneren Graben, der von einer Hecke und Baumreihe umgeben ist, Ölgemälde Friedrich Barnutz, 1842, Schlossmuseum Jever
Als Jever 1536 durch Fräulein Maria und ihren Drosten Boing von Oldensum ebenfalls durch Wall und Graben befestigt wurde, schuf man auch eine Verbindung zwischen beiden Verteidigungssystemen. Noch heute gibt es unterirdische Verbindungstunnel, die einen jetzt allerdings nur sehr begrenzten Wasseraustausch möglich machen.
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Grabensystem noch einmal weiter ausgebaut. Die südwestliche Ecke beim heuten Mariengymnasium erhielt ein als nach innen offenes Dreieck ausgebildetes Bollwerk im Graben.
Als ab 1823 der englische Landschaftsgarten auf dem Gelände angelegt wurde, nutzte man die Graften, um den Park auch mit attraktiven Wasserflächen auszustatten. Hier konnten die Rasenflächen sanfte Ufer ausbilden und die Bäume sich im glitzernden Wasser spiegeln – Elemente, die den Zauber der Natur auf kleinem Raum allen sichtbar und erlebbar machen sollten.
Die Graft bietet einer vielfältigen Flora und Fauna einen wichtigen Lebensraum und ist als Wasserfläche ein wichtiges Stilelement in der künstlerischen Gestalt des Schlossgartens
Die Kaskade wurde an der Stelle der ehemaligen Verbindung der Schlossgraft mit der städtischen Graft angelegt (eine herzliches Dankeschön an die Volksbank Jade-Weser für die Unterstützung)
Die Pflege der Graften stellt die Schlossgärtner heute vor große Herausforderungen.
Da es keinen natürlichen Zufluss gibt, kann der Wasserstand nur durch Regen aufgefüllt werden. Um das kostbare Nass nicht im Abwassersystem verschwinden zu lassen, wurden in den Jahren 2024 bis 2026 Sickersysteme und Zuläufe eingerichtet.
Zudem kommt durch die Kaskade im östlichen Teil des Grabensystems (hinter der Volksbank) Sauerstoff in das stehende Gewässer.
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