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Gartendenkmal: Freiflächen

Der ca. 4 ha große Schlosspark Jever, ab 1828 nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten angelegt, gehört zu den bedeutendsten Gartenkunstwerken Nordwestdeutschlands und bildet zusammen mit dem Schloss ein einzigartiges Ensemble. Die gestaltete Natur mit ihren Schätzen an Flora und Fauna machen den besonderen Reiz dieses historischen Gartens aus, der seit 1951 unter Landschaftsschutz steht.
Die Gestalt des jeverschen Schlossparks hängt eng mit der vorherigen Bebauung des Ortes zusammen. Die Freiflächen sind oft bewusst an den Stellen angelegt worden, an denen im Untergrund noch Mauerreste die Ausmaße der ehemaligen Vorburg nachzeichnen. Die Wurzeln der Bäume finden hier nur schwer halt, für den Rasen bieten die Kalkreste im Mörtel jedoch gute Nährstoffe.
Die Rasen und Wiesenflächen sind wichtige Gestaltungselemente im Schlosspark
Die gesamte Schlossanlage erhielt mit dem Übergang der Herrschaft an das Herzogtum Oldenburg ab 1818ff. eine durchgreifende Neuausrichtung. Die Nebengebäude, die innerhalb des Schlosswalles standen, wurden zwischen 1822 und 1827 sukzessive abgebrochen, um Platz für eine ästhetische Gartenanlage und einen großzügigen Vorplatz zu schaffen.
Die entspannte Betrachtung der freien Flächen bietet auch den Gedanken offene Räume
Dieser Plan von Johann Daniel Reuter aus dem Jahr 1741 zeigt das Schloss und die umgebenen Befestigungsanlagen. Man erkennt noch die Brücke über die innere Schlossgraft zum Eingangsportal und die sog. „Blaue Wanderung“ auf den Schlosswall. Kolorierte Federzeichnung, Schlossmuseum Jever
Die sogenannte Vorburg, auch Unterburg genannt, umfasste Stallungen, Wohn- und Lagergebäude und die Drostei, also das ehemalige Wohngebäude des Statthalters. Diese muss ein stattliches, um 1824 noch vierstöckiges Gebäude mit einer Freitreppe gewesen sein. Angebaut war hier in Richtung des Schosshofes ein achteckiger Turm mit einem Kegeldach.
Dieses Gebäude wurde, wie auch der Pferdestall und die alte Wagenremise, bereits ab 1824 abgebrochen. Baumaterialien, wie Dachpfannen, Sparren, Balken, Tür- und Fensterzargen verkaufte man nach öffentlicher Bekanntmachung in der Zeitung an Meistbietende auf dem Schlossplatz. Das sich daran anschließende Kommandantenhaus wurde 1827 abgerissen. Der Großteil der Nebengebäude ist bis 1828 abgetragen worden.
Vogelansicht des Schlossgeländes, 18. Jahrhundert
Gesamtplan von Schloss und Vorburg „Grundriss von der Resten Etage des auf der Vestung Jever befindlichen Residenz-Schlosses, die Oberburg genannt, wie auch der sämtlich uebrigen innerhalb den Vestungswercke stehenden Gebäude“, kologierte Zeichnung von R.G. Kunstenbach, um 1800, Schlossmuseum Jever (Ka 76, Ka II Nr. 8c)
Anschließend entstand ein Park nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten, so wie es auch die vergleichbaren Anlagen im Herzogtum in Oldenburg, Rastede und Neuenburg zeigen. Dieser Stil entwickelte sich im England des späten 18. Jahrhunderts. Er entstand als bewusster Gegensatz zum bisher dominierenden Barockpark französischer Prägung, der die Natur in streng geometrische Formen zwang.
Auf dem von den ehemaligen Graften begrenzten Gelände wurde so ein der Natur nachempfundener Raum geschaffen – mit weiten Rasen- und Wasserflächen, Baumgruppen, Buschzonen und kleinen Hügeln. Ende 1842 war die Anlage des Parks vollendet und wurde dem Großherzoglichen Hofmarschallamt zur Betreuung übergeben.
Plan des Architekten Otto Lasius, 1824
Ein Plan des Baukondukteurs Friedrich Wilhelm Röben aus dem Jahre 1834 zeigt den Zustand des Schlossgartens nach der mittlerweile erfolgten Umgestaltung des Schlossareals. Von der inzwischen abgebrochenen Unterburg und den einstigen Befestigungsanlagen ist nichts mehr zu erkennen. Der hier wiedergegebene Zustand des Schlossgartens hat sich im Wesentlichen bis heute so erhalten. F.W. Röben, Plan des Schlossgartens zu Jever, 1834, Tuschezeichnung auf Papier, aquarelliert.