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Schlossmuseum Jever AEG-Mignon
Eine Zeigerschreibmaschine




Zeigerschreibmaschine
Abb.1: Die AEG-Mignon, eine Zeigerschreibmaschine, gefertigt ab 1903 in Berlin.

Im Magazin des Schloßmuseums Jever befindet sich mit der "Mignon"-Schreibmaschine ein Objekt von besonderem zeitgeschichtlichem Interesse, gehört doch dieses Gerät zu den frühen Produkten einer mechanischen Schreibkultur, die Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahm.

Die Erfindung der Schreibmaschine diente zunächst nicht der rationellen Büroarbeit, sondern war mit der Absicht, Blinden ein Schreibgerät zu schaffen, verbunden. So wurde 1849 in Paris und 1869 in Kopenhagen jeweils ein Schreibgerät für Blinde entwickelt. "Die erste gebrauchsfähige Maschine war 1867 fertig und erregte durch die damit geschriebenen Briefe Aufsehen, fand aber wenig Aufnahme, weil die Angestellten fürchteten, ihr Brot zu verlieren." 1 Die erste deutsche Schreibmaschine wurde wenig später bei Friester und Rossmann in Berlin hergestellt. Sie verfügte über 78 Tasten und war 10 kg schwer.

Die Geschichte der industriell gefertigten Schreibmaschine reicht nicht sehr weit zurück. Erst 1873/74 wurde in den USA mit der fabrikmäßigen Herstellung der Schreibmaschine begonnen. Friedrich Müller gibt in seinem Buch zur Schreibmaschine aus dem Jahre 1900 folgende Erklärung: "Unter Schreibmaschinen versteht man mechanische Einrichtungen, durch welche, ähnlich wie beim Buchdruck, farbige Abdrücke von Typen reihenweise durch Stempel auf Papier übertragen werden. Diese Schreibweise hat den Vorzug größerer Deutlichkeit ud Schnelligkeit als die mit Feder und von Hand und läßt sich leicht erlernen." 2

Am 15.8.1903 wurde von AEG in Berlin die Zeigerschreibmaschine "Mignon" in die Fabrikation aufgenommen. Dieses Datum ist zugleich das Gründungsjahr von Olympia. Zunächst hieß das Werk "UNION SCHREIBMASCHINENGESELLSCHAFT M.B.H." Der Name des Schreibmaschinenwerkes wurde mehrmals geändert. Ihre Produktionsstätte wurde 1923 nach Erfurt verlegt, da aufgrund der ständigen Expansion größere Fabrikationsräume benötigt wurden. Dort kam 1931 eine Kleinschreibmaschine mit der Bezeichnung "Olympia" auf den Markt. Wegen des starken Bekanntheitsgrades des Markennamens "Olympia" beschloß man, den Firmennamen zu modifizieren: aus "Europa Schreibmaschinen Werke AG" wurde am 31.12.1936 die "Olympia Büromaschinen Werke AG". 3

Nach dem zweiten Weltkrieg plante man zunächst in Bielefeld eine neue Produktionsstätte der Olympiawerke. Diesen Standort gab man allerdings wieder auf und suchte an der Peripherie Wilhelmshavens einen neuen Standort. Dort befand sich das ehemalige Marinegerätelager in Roffhausen, das dafür geeignet erschien. Es stand eine Fläche von 10 000 Quadratmetern zur Verfügung. Roffhusen bot sch auch aufgrund der vorhandenen qualifizierten Facharbeiter geradezu an.

1953 wurde dann in Roffhausen das fünfzigjährige Betriebsjubiläum gefeiert. Dr. Boden, Vorsitzender des Aufsichsrates, wünschte in seiner Rede zum fünfzigjährigen Bestehen des Werkes alles Gute für die nächsten 50 Jahre. Ob man allerdings das hundertjährige Jubiläum feiern kann, scheint bei der derzeitigen Situation des Werkes mehr als fraglich zu sein. Die Schließung des Industriebetriebs ist geplant. Der Landkreis Friesland und die Stadt Wilhelmshaven erleiden dadurch einen großen Verlust auf dem Arbeitsmarktsektor. Hochqualifizierte Facharbeiterinnen und Facharbeiter werden ihren Arbeitsplatz verlieren und in eine Erwerbslosigkeit geschickt, die in der strukturschwachen Nordwest-Region sicherlich gekennzeichnet ist von Dauerarbeitslosigkeit. Verständlich, daß mit enormen Einsatz für den Verbleib des Werkes gestritten wird.

Unser Objekt des Monats, die Mignon, war die erste Schreibmaschine der Olympia-Werke. Sie wurde in der Huttenstraße in Berlin hergestellt. Der berühmte Elektropionier Dr. Friedrich von Hefner-Alteneck begann eine Schreibmaschine zu entwickeln. "Doch der plötzliche Tod machte der emsigen Arbeit ein jähes Ende, und so hinterließ von Hefner-Alteneck als Grundmodel die Zeigerschreibmaschine, die weiterentwickelt wurde und unter dem Namen MIGNON im Jahre 1903 die Fabrikräume Huttenstraße in Berlin verließ." 4

Die Mignon erreichte Ende des ersten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts bereits eine Stückzahl von 40 000. "Viele werden sich gern erinnern, wie sie auf der kleinen MIGNON mit der linken Hand den Buchstaben einstellten und mit der rechten auf die Taste drückten." 5 Indem mit der linken Hand ein Buchstabe auf den Tableau mit Hilfe eines Zeigers gewählt wurde, drehte sich eine kleine Buchstabebwalze. Sie brachte den entsprechenden Buchstaben in Position, der dann mit einem Tastenhebel auf das eingelegte Blatt über der Papierwalze gedruckt wurde (vgl. Abb. 1). Die Schreibmaschine erinnert, von der äußeren Form, stark an einen Telegraphen.
Etta Bengen

Mignon-Produktion
Abb. 2: Einblick in die Mignon-Produktion in Berlin. Um 1903.


Literatur:
1) Friedrich Müller: Schreibmaschinen und Schriften-Vervielfältigung. Hannover 1986, S.3. Reprint der Erstausgabe von 1900.
2) Friedrich Müller, a. a. O., S. 1.
3) Vgl. Betriebsrat der AEG Olympia Office GmbH: "Zur Geschichte Olympias", O.J., S. 1 ff.
4) Olympia Ring, 1953/Nr. 3, S. 5.
5) Ebenda, S. 6.

© Schloßmuseum Jever

 

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