Wächtersbacher Keramik
im Schlossmuseum Jever

Die Entwerferin Ursula Fesca
Anläßlich des anstehenden 100-jährigen Jubiläums der Wächtersbacher Steingutfabrik beauftragte die Firmenleitung 1931 die junge Entwerferin Ursula Fesca (1900-1975) mit der künstlerischen Erneuerung des Sortiments.
Ursula Fesca, geboren am 1. März 1900 in Hohenbucko/Sachsen, hatte nach ihrer keramischen Ausbildung an einer Berliner Zeichen- und Kunstgewerbeschule von 1925 bis 1928 in der Steingutfabrik Vordamm der Fabriken Velten-Vordamm und von 1928-1931 in der Steingutfabrik Elsterwerda erfolgreich an der Sortimentsgestaltung der Werke mitgewirkt. Ihr kreativer Schwerpunkt lag auf moderner Oberflächenbehandlung mittels innovativer Techniken wie Schablonendekore, Mattglasuren und Krakeleeglasuren.
Das Sortiment der Wächtersbacher Steingutfabrik prägte sie seit 1931 maßgeblich mit ihrem sogenannten "Fesca-Stil". Dieser äußerte sich in anspruchsvollen modernen Formen, die in ihrer schlichten zeitlosen Ästhetik den sachlich-funktional ausgerichteten Zeitgeschmack der 1920er und frühen 1930er Jahre repräsentieren. Mit ihren Dekoren und Glasuren verfolgte sie die Linie ihrer vorausgegangenen Arbeit in Vordamm und Elsterwerda.
Als kreative Kraft besaß Ursula Fesca in Wächtersbach freie Hand, so daß sie bereits 1932 vier neue, eigenständige Teegeschirre, darunter das Teegeschirr "Haarlem", gemeinsam mit einer Reihe von attraktiven Kleinserien wie Bowleservicen, Likörservicen und Leuchtern auf der Leipziger Messe vorstellen konnte.
Die neuen Formen und Dekore Ursula Fescas müssen im Handel großen Anklang gefunden haben, da die Firma ab Oktober 1932 in Zeitschriftenanzeigen nicht nur mit dem Jubiläum der Wächtersbacher Steingutfabrik warb, sondern zugleich eine breite Auswahl der Fesca-Entwürfe beifügte. In der zweiten Weihnachtsausgabe der Schaulade, dem "offiziellen Organ des Centralverbandes der Deutschen Luxus- und Galanteriewarengeschäfte", von 1932, kommentierte G. Bernd die Neuheiten: "Zwei Gattungen moderner Steingutkeramik sind es, die dem werkkünstlerischen Schaffen der Wächtersbacher Steingutfabrik G.m.b.H., Schlierbach bei Wächtersbach, neuerdings das Gepräge geben: ein in ganz lichten, verlaufenden Matt-Tönen gehaltener Typ und ein anderer, der sich durch eine großflächige Musterung in kräftigen, satten Farben charakterisiert. Geschirre beider Gattungen, an deren Gestaltung eine neue künstlerische Kraft, Frl. Fesca, hervorragenden Anteil hat..." "Was nun die Formen selbst betrifft, so berühren sie einen sogleich sympathisch durch ihre schlichte und doch plastisch eindrucksame Gestaltung. ...Alles Gespreizte, wie wir es manchmal im Porzellan antreffen, liegt ihnen fern."
Auch die Aussage von B. Siepen in der Schaulade 10 von 1934 ist auf die Entwurfsarbeit von Ursula Fesca zu beziehen: "Eine Steingutfabrik, die namentlich in den letzten Jahren einen keramischen Typ von zeitgemäßer und künstlerisch entschiedener Haltung entwickelt hat, ist die Wächtersbacher Steingutfabrik G.m.b.H."
Nach H. und L. Frensch sicherten die Arbeiten Fescas der Fabrik "den Anschluß an das damalige internationale kunstkeramische Geschehen".
Ursula Fesca zog sich 1939 wegen Krankheit für einige Jahre aus dem Betrieb zurück. Ab 1947 nahm sie die Arbeit im Atelier der Wächtersbacher Keramik wieder auf und blieb bis zum Ruhestand im Jahr 1965.
